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für kritische Medienpraxis


KRITISCHE MEDIENPRAXIS: WAS HEISST DAS HEUTE?

Vom 12. Februar 2007. Autor Richard Herding

 

Einleitungsthesen für die öffentliche Vorstellung ("Brainstorming" auf Denglish) des "Informationsdienst: für kritische Medienpraxis" im Club Voltaire Berlin vom 11. November 1999
(Richard Herding 20166296 od. 34709450, Fax 20166297, Informationsdienst: für kritische Medienpraxis, im Haus der Demokratie und Menschenrechte)

 

1. Kritische Medienpraxis heißt heute in erster Linie: Widerstand gegen Lager-Denken, und zwar sowohl politisches wie ökonomisches Lager-Denken. Die Quote, also die oberflächliche -wenn auch selbstverständlich zu respektierende- Zuschau-, Lese-, Hör-Entscheidung der Medien-KonsumentInnen ist das "Ökonomische Lager". Die Positions-Einordnung, also Rechts-Links, Rot-Rosa-Grün-Schwarz-Gelb -ebenfalls grundsätzlich respektabel, gerade in diesen Zeiten unübersichtlicher Paradigma-Wechsel, vom Klassenkampf zum Umweltschutz, von der Friedenspolitik zum Menschenrechtskrieg, von Sozialismus zur Modernisierung- ist das "politische Lager". Medienpraxis kann die Lager nicht ignorieren, muss sie "bedienen", aber kritische Medienpraxis ist sie erst dann, wenn sie unabhängig von den Lagern publiziert . Aktuelles Beispiel für Lager-Denken als Killervirus kritischer Öffentlichkeit ist die Wehrmachts-Verbrechens-Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung: aus der widerständigen Einstellung zum Klischee des anständigen Nur-Soldaten unter Hitler, also aus einer kritischen Praxis des Umgangs mit Öffentlichkeit zur deutschen Geschichte, wurde eine unkritische Praxis, weil jedes Hinterfragen im Einzelfall die ideologische Spaltung zwischen Kontinuitäts-Nazis und Antifaschisten heraufbeschwor. Der Vorrang der oppositionellen Position vor der Beweisführung im Einzelfall, die auch ohne Lager-Loyalität auskäme, ist zunehmend problematisch. "Gegen-Öffentlichkeit" war der Kampfbegriff, der das Bild monolithischer Festungen heraufbeschwor; "verschränkte Öffentlichkeit" dagegen trägt der Tatsache Rechnung, dass alternative Medien in Westdeutschland und in Ostdeutschland -bei allen gravierenden Unterschieden- von Anfang an auf Übernahme von Themen und Perspektiven durch die etablierten Medien setzten. Das klappte nur indirekt und eingeschränkt, aber eine bloße Geschichte des Scheiterns ist es nicht, auch bevor die alternativen Medien in Westdeutschland zum "Volontariat der Nation" wurden (so Hermann L. Gremliza von "konkret" über die "tageszeitung"), also zur Spielwiese und zur Ausbildungsstätte für den Weg zu den Etablierten. In der DDR war das zeitweise nicht völlig anders, denken wir nur an den unter Honecker verbotenen, unter Gorbatschow zugelassenen "Sputnik", oder an "Einblick Nicaragua", das vervielfältigte DDR-Blatt über die Solidaritätsarbeit mit der sandinistischen Revolution, dessen Redakteur keineswegs abstritt, dass inhaltlich keine großen Differenzen zum "Neuen Deutschland" bestanden, ausser der einen, alles entscheidenden: Niemand glaubte, was im Zentralorgan stand, wohl aber, wenn "Einblick Nicaragua" dasselbe brachte. Also: die Medien sind in dem Zustand leidlicher relativer Freiheit, der es kritischer Medienpraxis erlaubt,so vorzugehen als ob ("kontrafaktisch" heisst das wohl, oder "imperatives" Als-ob) die Defizite, auch die skandalösen Defizite, nicht in erster Linie ökonomischen oder polizeilichen oder patriarchalischen Gewalt-Verhältnissen zuzuschreiben sind -das sind sie immer wieder auch , klar-, sondern selbstverschuldet, insbesondere durch die häufig übersehene, ganz banale betriebliche Arbeitsorganisation. (Denken wir nur an die Lohnberechnungs-Forderung "Zeit statt Zeile" für freie Mitarbeit: bis jetzt bekommst du für zwanzig Zeilen, sagen wir mal: DM 32.--, egal ob du eine PR-Mitteilung geringfügig überarbeitet oder stundenlang im Internet recherchieren musstest). Das heisst aber auch: die Defizite sind veränderbar, abbaubar. Deshalb ist kritische Medienpraxis nicht "Gegen"-Öffentlichkeit im isolationistischen Sinn, sondern verschränkte, vernetzte, von innen und aussen zugleich agierende, ohne Geheimniskrämerei auch "subversive" Öffentlichkeit.

 

2. Warum bestimmte Themen oder Argumente systematisch "unter-berichtet" oder verzerrt berichtet oder diskutiert werden, warum sie Defizite sind, ist jeweils im Einzelfall zu überlegen , da gibt es keine schnellen Verallgemeinerungen. In der Einladung zu dieser Diskussion stehen einige Beispiele für Themen -oder auch Umgangsweisen mit bestimmten Themen-, bei denen mir das Defizit im Zugang zu einer fairen und genauen Berichterstattung besonders schwerwiegend erscheint - immer gemessen daran, was dem Anspruch demokratischer Medien entspräche. ("Fair und genau" ist das ganz unromantisch formulierte Ziel, ein Wahrheitsbegriff auch unter Bedingungen von Zeilenhonorar und Zigarettenqualm. Kein Zufall, unser New Yorker Schwesterprojekt heisst "FAIR" = Fairness and Accuracy in Reporting, also "Fairness und Genauigkeit in der Berichterstattung".) - Seit dreissig Jahren kennen wir Hausbesetzungen in Deutschland, übrigens in West und Ost, wobei der Medienzugang der östlichen HausbesetzerInnen, auch in den Westmedien, kärglich war, allenfalls vergleichbar mit denen in Städten wie Memmingen oder Hanau im Westen. Keine Frage, dass so gut wie alle, die nach 1968 Häuser besetzten und in Selbstorganisation darin lebten, lieber Fabriken besetzt hätten und in Selbstorganisation gearbeitet hätten ... Aber für die emanzipationshungrigen MittelschichtlerInnen, später auch noch inclusive ökologischer Bewußtseinswende, war das die Abkehr vom Revolutionsbegriff des autoritären Avantgarde-Predigens für die Zukunft, die Hinwendung zum intelligenten Vorwegleben des Zieles in der Gegenwart. Und es ist nicht nichts davon übriggeblieben. In Hamburg dank großbürgerlichen Mäzenatentums blieb am meisten: genossenschaftliche Hafenstraße. In Frankfurt, dem paranoiden Anfangsfeld, blieb am wenigsten. Berlin als geniale Erfinderin der "Instandbesetzung" belegt einen hervorragenden Tabellenplatz, allein schon auf dem Hintergrund einer grandiosen Wohnungskampfgeschichte seit dem 19. Jahrhundert, ganz zu schweigen von der Rekord-Anzahl besetzter Häuser; und auch heute gibt es die alltägliche Fortführung dieser Bewegung hier. Ja - und wo bleibt der abendfüllende, TV-fähige Film über die Naunyn- und die Mainzer Straße, über Gewalterfahrung und Abwaschberge, grandiose Flirts und panische Räumungsnächte, besorgte Eltern und kleine Spinner ? Lieber Schlöndorff, lieber Tykwer, liebe Dörrie, liebe Trotha - wo bleibt das mediale Produkt ?, egal ob Dok- oder Spielfilm, das die Rote Armee-Fraktion, reichlich weniger emanzipatorisch, mehrfach bekommen hat. Wir müssen doch nicht immer warten, bis Spielberg kommt. Die Tagesordnung, so die verbreitete und richtige Klage ("Agenda Setting") bestimmen Großorganisationen, Public Relations -also Öffentlichkeitsarbeit mit standardisierten, auftragsgebundenen Quellen- blüht wie nie und wird in den "neuen sozialen Bewegungen", Umweltbewegung, Frauenbewegung, multikulturelle Bewegung etc. eifrig und völlig zu Recht empfohlen. Dagegen ist nichts zu sagen, amnesty international oder Club Voltaire verdienen selbstverständlich die kompetenteste und phantasiereichste Öffentlichkeitsarbeit, die es überhaupt nur geben kann, und Öffentlichkeitsarbeiter verdienen weit mehr interne und externe Freiheit und Anerkennung, sollten selbstverständlich auch in angemessener Form in die Ehrenregeln journalistischer Arbeit einbezogen werden. Das große Problem dieser "Agenda-setting power", also der Macht, die Themen-Tagesordnung zu bestimmen, besteht in Deutschland darin, dass eine Waffengleichheit für eine nicht als Lager gegen Lager organisierte Öffentlichkeit hierzulande noch nicht einmal gefordert, schon gar nicht gefördert wird. Der bezahlten Öffentlichkeitsarbeit der Organisationen müssten finanzstarke Fonds wie in den USA üblich gegenüberstehen, aus denen meisterlich frei recherchierende Journalistinnen und Journalisten Neues auf die Tagesordnung setzen können, wie bei der Neuen Heimat oder bei Tschernobyl oder beim Watergate-Skandal in den USA. Dass der SPIEGEL sich so etwas leisten kann, reicht lange nicht. Nicht nur Skandale, auch eine lebendige öffentliche Verarbeitung der sozialen Bewegungen wäre die Aufgabe des nachforschenden Journalismus. Warum die gleichen HausbesetzerInnen, die heute Vizekanzler oder Europa-Abgeordnete und dergleichen stellen, mit ihrer Geschichte stiefmütterlicher umgehen als flatterhafte linksschlagende Oskar-Herzchen, wird ein Rätsel bleiben, aber das erklärt noch nicht, warum nicht andere darangehen, ihre Geschichte zu schreiben. - Ein anderer Fall, gänzlich ohne das relative Happy End der Hausbesetzer/Hausbesitzer-Karriere. Ich schätze, etwa einmal pro Woche rücken Uniformierte, die berühmten "Herren des Morgengrauens" in Wohnhäusern oder Gefängniszellen an und setzen einen Menschen aus Algerien, Nigeria, Haiti, Türkei oder sonstwo gegen seinen Willen in ein Flugzeug; bei der Abwehr seiner Abwehr durch Knebel, Fesseln, Maulkorb oder aber durch verzweifelten Selbstmord sterben - drei, vier, ein Dutzend pro Jahr ? ich habe keine Statistik darüber gewälzt, wenn es denn eine gibt. Das ist absolut sinnlos, von diesen Menschen geht in der Regel keine Gefahr aus, es wird ein ausländerrechtlicher Standpunkt abschreckend demonstriert. Dass in Relation zu den erreichten Standards von Zivilität hierzulande jeder Vergleich mit Diktaturen, für die sich spanische Staatsanwälte inzwischen weltweit dankenswerterweise interessieren, angebracht ist, dass Medienkampagnen mit Unruhestiftung notwendig wären, scheint mir klar. Wenn wir das nicht schaffen, vielleicht können wir Reemtsma dazu bringen, nach Spielbergs Vorbild wenigstens ein Video mit jedem Mann, jeder Frau, jedem Kind, das einen Zwangsabschiebungsbescheid erhält, aufzunehmen - und auch mit jedem, selbstverständlich "dienstlich korrekt" handelnden Täter und jeder Täterin. Damit wir ausnahmsweise in der Zeit des Unrechts warnen und nicht erst nachher. - In der Umweltpolitik erwähne ich nur en passant den absoluten Schock, dass der Atom-Unfall von Tokaimura kein Hundertstel des Medienechos, der Medien-Analyse und-Recherche wert schien, die Tschernobyl 1986 ausgelöst hatte - obwohl es bei Japan keine Ausreden wegen hinterwäldlerischer, armuts-bedingter Niedrig-Standards geben konnte. Nahmen wir was Leichteres: den alltäglichen Umgang mit der Verkehrspolitik. Wer einen Kasten Bier zu transportieren hat, steigt ins Auto, auch wenn er oder sie bekennend bündnis-grün, RadlerIn und Bahn/Bus-BenutzerIn ist. Wer in Mallorca urlaubt, steigt ins Flugzeug. Harald Schmidt fährt per Schiff über den Atlantik, Joschka Fischer mit der Bundeswehr-Flugbereitschaft, und natürlich ist dieser Vergleich bösartiger Quatsch, weil Fischer Termine hat und Schmidt nur feiert. Aber dennoch: Nach dem "Fünf Mark fürs Benzin"- und "Nur einmal fliegen im Jahr"-Desastern der Bündnisgrünen sind schlicht keinerlei Diskussionen angestiftet worden: Brauchen wir einen Öffentlichen Güter-Nahverkehr neben dem Personen-Nahverkehr ? Wie können wir genuss-bejahend, also ohne triste den Verzicht zu predigen, Abkehr von besonders umweltschädlichen Verkehrsmitteln im Alltag diskutieren, analysieren, und wenn's uns denn selbst überzeugt, auch propagieren ? Mediale Fehlanzeige auf weiter Flur. Forschungsergebnisse liegen vor, denen zufolge durchaus nicht soviel Heuchelei in den umweltbewussten Milieus herrscht wie angenommen, sondern dass ansatzweise durchaus umgestiegen wird; Forschungsansätze, die klarmachen, dass nicht der Fortbewegung willen Auto gefahren wird, sondern weil eigener Raum genossen sein will. Aber das wird in den Medien nicht aufgenommen und umgesetzt. Die Tagesordnung bestimmen die Auto-Unternehmen - gibt es da nichts zu ändern? - Die Öffentlichkeits-Ausschlüsse der Sinti und Roma sind ein anderer Fall. Als sie aus dem Kosovo vertrieben oder dort schikaniert und attackiert wurden, ist mir nicht ein einziger Text, nicht eine einzige Sendung vor Augen und zu Ohren gekommen, in denen ihre eigenen VertreterInnen dazu Stellung genommen hätten. Selbstverständlich gibt es da tiefsitzende Ängste vor Öffentlichkeit. Wer laufend schlechte Erfahrungen selbst mit gutwilligen JournalistInnen gemacht zu haben meint, will "lieber gar keine Öffentlichkeit als diese", wie wir das in dem Sinti/Roma Buch des Bremer ID formuliert haben. In erster Linie ist das heute ein Ausbildungsproblem: Günther Grass oder welcher Nobelpreisträger auch immer sollte gezielt Stipendien vergeben, damit aus den circa siebzigtausend Sinti und Roma in Deutschland wenigstens mal siebzehn JournalistInnen ausgebildet werden. Dann reden wir weiter, kritisieren vielleicht auch die "Stummheits"-Mentalität - so sie dann noch existiert, was bezweifelt werden darf. - Der Kosovo-Krieg ist wieder ein Fall von Öffentlichkeits-Defizit durch Lager-Denken. Patriotisch in der Variante "Menschenrechts-Intervention" die eine Seite, vermeintlich in Verteidigung linker (nicht stalinistischer) Jugoslawien- und/oder Friedens-Begeisterung die andere Seite. Hier fehlte völlig der Clou an der linken Diskussion: die links-nationalistische Parteinahme für Guerilla-Bewegungen, bewafffnete Banden usw. von Nordirland bis Kurdistan, von Vietnam bis El Salvador. "Kleine" Kriege sind vermutlich menschlich grausamer, aber in der Wirkung beschränkt; nimmt die Weltmacht USA oder nehmen die Vereinten Nationen die Sache in die Hand, so entsteht sofort die Gefahr weltweiter Ausdehnung und High-Tech-generierter Zerstörung. Stattdessen, wenn überhaupt, porträtierten die Medien die Balkan-Völker als unermüdliche SchlächterInnen nach innen und nach aussen.

 

3. Hier sind bisher hauptsächlich Defizite dargestellt worden, die zum großen Teil als "konventionelle" Themen oder Argumentationslinien angesehen werden können. Dass eine biografische Berichterstattung mit den Alltagsbeschwerden der Menschen im Vordergrund (oder sprechen wir von Individuen in der verwalteten Welt, gar von "QuerulantInnen") fehlt, ist vielleicht das größte und allgemeinste Mediendefizit. Hier müssten und könnten zum Beispiel Selbsthilfegruppen Brücken bauen von den schüchternen Einzelnen zur öffentlichen Fachkompetenz, die ja kein Privatbesitz der "üblichen ExpertInnen" bleiben muss - gerade wenn deren Qualifikation verbessert und genutzt werden soll. Egal wo wir anfangen: es braucht unbedingt Projekte, die in der Medienpraxis systematisch Defizite aufspießen und Ergänzungen oder Vernachlässigtes öffentlich machen. Zunächst als exemplarische Schwerpunktarbeit einer Handvoll engagierter JournalistInnen, auf die Dauer als systematische Infrastrukturwerk für Ausbildung, Zugangserleichterung, Recherche, Medienkritik, Dokumentation undsoweiter. Das ist zunächst eine Verschärfung und Vervielfachung dessen, was etwa in der medialen Bildungsarbeit von politischen Stiftungen getan wird. (Erwähnt sei "Media Watch", die Medienkritik mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung über die Dritte-Welt-Berichterstattung hierzulande, die Unterstützung von Medienprojekten in armen Ländern durch die Friedrich-Ebert-Stiftung, und ja doch, auch die Lokaljournalismus-Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auch bei der Bundesanstalt und den Landesanstalten für politische Bildung gibt es solche Ansätze, und nicht zu vergessen beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik.) Das darf nicht ausschließlich im Sandkasten der Bildungs-Schonräume bleiben, das muss rein in die berufspraktische Wendung, Es gibt im alternativen Bereich einen gewissen Kult der "Pionier"-Alternativmedien der Siebziger/Achtziger Jahre von Radio Dreyeckland über Agit 883 bis zur "tageszeitung" und zu den Umweltblättern, ID ("Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten") manchmal auch - als ob das nicht nur so nicht weiterzuführen wäre, was ein vollkommen richtiger Gemeinplatz ist, sondern überhaupt nichts Gutes nachkommen könnte - was reine Generationen-Arroganz der sogenannten 68er, 78er, 89er etc. pp. ist. Worum es geht, ist: hin zu den neuen Generationen und zu einem Medien-Elan von Dauer.Denken wir nur an den formal offenstehenden, in der Realität aber aus banalen, angebbaren Gründen wenig genutzten Internet-Zugang für Frauen und AusländerInnen, und zwar qualifizierten Zugang und nicht rechtschreibfehlersatte Websites vom vorigen Jahr ohne update-Aussichten. Für das, was 1968 aus guten Gründen "Enteignet Springer" hiess und eine der grössten Kampagnen der deutschen Nachkriegsgeschichte war, was heute zum Beispiel "Medienzugang für alle" heissen könnte, ist viel zu tun. Ach ja, noch eine Bemerkung über kritische Medienpraxis. Spotten Sie über feministische Männer soviel Sie wollen, aber kürzlich habe ich in einer höchst reputierlichen Zeitschrift den Dauervermerk gesehen, dass für die Herstellung des Druckwerks nur ungebleichtes Papier mit hohem Recycling-Anteil verwendet werde, die Wälder könnten also einigermaßen zufrieden sein. Ich legte das Blatt weg, schaltete das Radio ein und hörte aus einem höchst reputierlichen öffentlich-rechtlichen Programm: es stünden drei Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zur Wahl, nämlich: Uta Ranke-Heinemann, Johannes Rau und Dagmar Schipanski. Ich stellte mir daraufhin einen Dauervermerk für Medien aller Art vor, und der hätte seinen Platz an der Seite der Beruhigung der Bäume, und ginge so: "Hier sind Frauen der Rede wert". P.S. Und ein zentrales Thema, das nicht angerührt wird (ausser in kultur-konservativen Litaneien): WERBUNG.

 

Autor: © Richard Herding
Update: Fr., 19.11.1999