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für kritische Medienpraxis


KRITERIEN ZUR BEWERTUNG VON INFORMATIONS- UND DIALOGANGEBOTEN bzgl. der Unterstützung eines deliberativen Politikstils

Vom 21. November 2006. Autor Jan Oppermann

 

1. Die Rolle des Internets:

Internet > Chance zur Verbesserung des:

  • Informationsangebots
  • Informationsaustauschs (> Dialogangebote)

 

2. Quantitative/qualitative Kriterien zur Bewertung der Gestaltung von Informationsangeboten bzgl. der Unterstützung eines deliberativen Politikstils:

2.1 Einbindung des Informationsangebots in das WWW.:

Indikatoren:

  1. Erinnerbarkeit-/Merkbarkeit der URL (>sollte Assoziationen wecken, die in engem Zusammenhang zur Zielsetzung des Angebots stehen)
  2. Zahl der Links von der Hauptseite
  3. Anzahl der Seiten, die auf die Homepage verlinken

 

2.2 Vollständigkeit des Impressums:

  1. Impressum leicht erkennbar, unmittelbar ereichbar, ständig verfügbar
  2. Name des Anbieters
  3. Besucheranschrift des Anbieters (Straße, Hausnummer, Postleitzahl, Ort)
  4. Telefon- und Faxnummer
  5. E-Mail-Adresse
  6. Verantwortlicher mit Angabe des Namens und der Anschrift

 

2.3 Technische Leistungsfähigkeit:

  1. Gestaltung der Druckausgabe (> kein fehlerhaftes Ausdrucken von HTML-Dokumenten)
  2. Downloadzeit der Homepage (> keine Größe von über 15 Kbyte)
  3. Anzahl der gebrochenen internen Links

 

2.4 Behindertengerechte Gestaltung:

  1. Zugänglichkeit für Menschen mit Sehbehinderungen:
    • alternative Beschreibungen (Alt-Tag) für alle inhaltstragenden/relevanten Grafiken
    • ausreichender Kontrast für Nutzer mit Rot-Grün-Schwäche (auch ohne Farbe gut lesbar)

  2. Lesbarkeit:
    • kurze Sätze (nicht mehr als 25 Wörter)
    • kurze Absätze (nicht mehr als 10 Zeilen)
    • Kennzeichnung der Absätze durch klare Überschriften

 

2.5 Gestaltung der Navigation:

  1. Link zur Startseite/Homepage von jeder Seite aus
  2. Erreichbarkeit der Rubrik „Kontakt“ von jeder Seite aus
  3. Verfügbarkeit einer Sitemap von jeder Seite aus
  4. Kennzeichnung besuchter/unbesuchter Links (> meist farbliche Differenzierung)

 

2.6 Leistungsfähigkeit der Suchfunktion:

  1. Möglichkeit zur Suche nach Schlüsselwörtern über ein Suchfeld
  2. Verfügbarkeit des Suchfelds auf der Homepage
  3. Verfügbarkeit des Suchfelds auf jeder Seite
  4. Möglichkeit zur Kombination von Suchbegriffen

 

2.7 Suchmaschinenoptimierung:

  1. Positionierung der Seite innerhalb der ersten 200 Treffer bei Google (nach ausgewählten Suchbegriffen)
  2. ✗  sehr gut = unter den ersten 20 Treffern

    •   bestimmt durch Zahl der Hyperlinks, die von anderen Seiten auf das Informationsangebot verweisen

 

3. Schlechte und gute Beispiele von Informationsangeboten von Bundestag und Bundesregierung:


3.1 www.socceringermany.info:

Informationsangebot des Auswärtigen Amtes

✗    Bewertung: befriedigend bis mangelhaft
➢  negativ:
  1. sehr schwer von der Hauptseite des Auswärtigen Amtes aus auffindbar
  2. schlechtes Ergebnis im Google-Page-Ranking
  3. Startseite mit Sprachauswahl vorgeschaltet
  4. Startseite nicht behindertengerecht (> keine alternativen Texte für Grafiken)

 

3.2 www.bmbf.de:

Internetpräsenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

✗    Bewertung: gut
►    positiv:
  1. sehr übersichtlich gestaltet/gut strukturiert (> Hauptnavigationspunkte: Bildung, Forschung, Innovation, Ministerium, presse, Service, Bürgertelefon)
  2. behindertengerecht (alternative Texte für inhaltstragende Grafiken, ausreichender Rot-Grün-Kontrast, Texte verständlich/gut gegliedert)
  3. Kontakt, Impressum, Sitemap, Suche von jeder Seite aus verfügbar und durch Positionierung am Kopf der Seite sehr leicht auffindbar

 

3.3 www.mitmischen.de:

Kommunikationsplattform des Deutschen Bundestags

✗    Bewertung: gut
➢    negativ:
  1. Navigation (> Sitemap nicht von jeder Seite aus erreichbar)

 

3.4 www.verbraucherschutzkompass.de:

Informationsangebot des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

✗  Bewertung: gut
►  postiv:
  1. detaillierte Suche (> differenziert nach Dateiformaten [.doc, .pdf, .txt, .html] sowie Institutionen [z.B. Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer, Bundesämter, Stiftung Warentest])
  2. Tipps zur Suche (> an zentraler Stelle positioniert [> leicht auffindbar])
  3. Katalog = Inhaltsverzeichnis der Seiten
  4. in Ergebnisliste der Suche sind nachträglich Schlagwörter hinzufügbar (z.B. aktuell, Langzeitstudie)

 

3.5 www.bundesregierung.de:

Informationsangebot des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung

✗    Bewertung: befriedigend
►    positiv:
  1. Impressum (> alle gesetzlichen Vorschriften erfüllt / vollständig)
➢    negativ:
  1. technische Leistungsfähigkeit (> relativ lange Ladezeit [> bei Seiten mit umfangreichen Informationsangebot häufig der Fall])
  2. Navigation (> keine farbliche Unterscheidung der besuchten/unbesuchten Links)

 

3.6 www.bundestag.de:

Informations- und Dialogangebot des Deutschen Bundestages

✗    Bewertung: befriedigend
►    positiv:
  1. Sitemap
  2. Dialog (> alle interaktiven Dialogangebote gebündelt)
➢    negativ:
  1. Navigation (> keine farbliche Unterscheidung der besuchten/unbesuchten Links)

 

4. Arten von Dialogangeboten:

  1. zeitversetzt:
    • E-Mail

  2. zeitgleich:
    • Online-Chats: „getipptes Gespräch“
      • unmoderierte Chats: Beiträge entsprechend ihres Eingangs beim Chat-Server veröffentlicht
      • moderierte Chats: zentraler Akteur nimmt Auswahl u./o. Sequenzierung der Beiträge vor
    • Online- Foren: ähnlich Chat, aber:
      • Verzögerung einer Antwort über eine Phase der Informationssammlung/des Nachdenkens
      • oft zusätzliche Hintergrundinformationen
      • i.d.R. Innerhalb von fest definiertem Zeitraum durchgeführt (z.B. vier Wochen)
    • Online-Konferenzen: moderierte Foren über begrenzten Zeitraum (oft: zwei Stunden) Öffentlichkeit eingeschränkt (> fachbezogen)

 

5. Quantitative/qualitative Kriterien zur Bewertung von Dialogangebotenangeboten bzgl. der Unterstützung eines deliberativen Politikstils:

5.1 Übergreifende Indikatoren:

  • Zeitraum und Dauer der untersuchten interaktiven Dialogangebote:
    • Zeitraum (z.B. 01.01.07 – 01.02.07)
    • Anzahl der Wochentage
  • Anzahl der aktiven TeilnehmerInnen:
    • Mitglieder die aktiv eigene Beiträge eingespeist haben (nicht reine „Zuschauer“)
  • Anzahl der Beiträge:
    • insgesamt
    • durchschnittliche Anzahl pro TeilnehmerIn
  • zeitlicher Verlauf des Einstellens von Beiträgen:
    • strukturelle Veränderungen bzgl. der Indikatorenverteilung
    • strukturelle Veränderungen bzgl. der Teilnahmeintensität
    • strukturelle Veränderungen bzgl. der Menge der eingestellten Beiträge

 

5.2. Charakterisierung der Akteure anhand von Selbstdarstellung:

Unterscheidung zw. „öffentlicher“ und „anonymer“ Kommunikation

  • Name (Namensgebung) > Selbstdarstellung eines Beitragserstellers:
    • Vorname
    • Nachname
    • Nachname und Vorname
    • Name und Titel
    • Pseudonym
    • sonstiges
  • Geschlecht
    • weiblich
    • männlich
    • unbekannt
  • Positionierung innerhalb der Gesellschaft > Mitglied gesamtgesellschaftlich einflussreicher/relevanter Gruppe oder nicht:
    • Partei
    • Staat
    • Zivilgesellschaftliche Gruppe
    • Medium
    • BürgerIn
    • ExpertIn
    • Sonstiges

 

5.3 Indikatoren für eine Analyse der Textbeiträge :

Inhalte / Struktur

  • Tendenz der Beiträge zum Thema des Dialogangebotes > gesamter Text:
    • positive Tendenz
    • negative Tendenz
    • ambivalente Tendenz
    • keine/neutrale Tendenz
    • nicht bewertbare Tendenz
  • Kommunikationsstil in den einzelnen Beiträgen > übergeordneter Tenor:
    • agitativ / polemisch:
      im Rahmen dieses Kommunikationsstils wird versucht, auf unterhaltsame Art, politisch werbend eine Ansicht (fundamentalistisch) zu bekämpfen > hierbei wird auf keinen Fall ein Konsens gesucht
    • diskursiv / kommunikativ / interaktiv:
      bei diesem Kommunikationsstil wird angestrebt, logisch denkend und durch vorausgehende Urteile begründet, wechselseitig aufeinander einwirkend Gedanken auszutauschen
    • deskriptiv / informativ / mitteilend / verlautbarend:
    • dieser Kommunikationsstil zielt darauf ab, (wertfrei) betrachtend Wissen zu übermitteln
    • selbstdarstellend / selbstpositionierend:
      im Kontext dieses Kommunikationsstils wird versucht, in normativer Weise positiv den eigenen Standpunkt darzulegen und hierbei Bezug auf die eigene Lebenswelt zu nehmen
    • nicht bewertbar:
      hierunter werden alle diejenigen Beiträge subsumiert, die den oben dargestellten nicht zugeordnet werden können
  • Länge der einzelnen Beiträge > Wortanzahl:
    • durchschnittliche Beitragslänge
    • Beitrag mit geringstem Umfang
    • Beitrag mit größtem Umfang

 

 

Literatur:

Wölk, Michaela/Oertel, Britta/Scheermesser, Mandy/Oppermann, Jan 2006/2007 (im Druck): Quantitative und qualitative Aspekte der Online-Dialogangebote von Bundestag und Bundesregierung – Gutachten im Auftrag des Deutschen Bundestages, IZT – Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin.

 

21.11.2006
Jan Oppermann
Informationsdienst: für kritische Medienpraxis