STRUKTURELLE UNTERSUCHUNG VON WEBSEITEN - Usability als Analysekriterium

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Seminar: „Politische Analyse der Internet-Öffentlichkeit“ am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität, Berlin (Wintersemester 2006/7)
Nach Jakob Nielsen, einem der Pioniere auf dem Gebiet des Web-Designs, sollte eine gute Website einfach und gut bedienbar sein.  Bzgl. der Operationalisierung eines solchen Sachverhaltes hat sich mittlerweile der Begriff Usability (Benutzerfreundlichkeit) durchgesetzt, welcher beschreiben soll, wie effektiv und zufrieden stellend ein Besucher eine bestimmte Website für seine Ziele nutzen kann. 

Author

Jan Oppermann

 

1. Strukturelle Untersuchung – Usability als Analysekriterium:

Nach Jakob Nielsen, einem der Pioniere auf dem Gebiet des Web-Designs, sollte eine gute Website einfach und gut bedienbar sein.1 Bzgl. der Operationalisierung eines solchen Sachverhaltes hat sich mittlerweile der Begriff Usability (Benutzerfreundlichkeit) durchgesetzt, welcher beschreiben soll, wie effektiv und zufrieden stellend ein Besucher eine bestimmte Website für seine Ziele nutzen kann.2
Die hier vorgeschlagene Methode zur Usability-Evaluation erfolgt in Anlehnung an die heuristische Methode der Kommunikationswissenschaftler Werner Schweibenz und Frank Thissen.3 Dabei wird überprüft, ob die Gestaltung der Website mit den Prinzipien des Usability-Designs übereinstimmt. Zu diesem Zweck erfolgt die Unterteilung des Kriteriums Benutzerfreundlichkeit in die formalen Merkmale: Konsistenz, Navigation, Interaktivität und Design – zusätzlich wird der Umfang des Informationsangebots untersucht.

 

1.1 Konsistenz:

Um die Konsistenz einer Website zu gewährleisten ist eine einheitliche Gestaltung erforderlich. Ziel hierbei ist es, Orientierung und Identifikation zu schaffen.

 

1.2 Navigation:

Dieser Punkt bezieht sich auf die Seitenlinks einer Website. Wie sind diese zu erreichen, wie übersichtlich sind sie gestaltet etc.?

 

1.3 Interaktivität:

Welche Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit der hinter der Website stehenden Interessengruppe bzw. Einzelpersonen gibt es? Werden diese gepflegt? Sind sie einfach verständlich strukturiert, etc.?

 

1.4 Design:

Gelungenes Webdesign sollte die Informationen möglichst effektiv präsentieren, das Auge intuitiv durch die Seiten führen und dem Dokument ein eigenes Aussehen verleihen.4

 

1.5 Informationsangebot:

Das Informationsangebot wird nach vier thematischen Bereichen bewertet:

  • der Programmatik
  • den Personen
  • den Materialien
  • den weiterführenden Links.

 

 

2. Semantische Untersuchung – Lexik und Deontik als Analysekriterien:

In der semantischen Analyse wird die Sprache untersucht – wobei wir hier zwischen lexischer und deontischer Analyse unterscheiden.

 

2.1 Lexische Analyse:

Zur Analyse rechtsextremistischer Websites suchen wir Lexeme der Kategorien:

  • Schlagwörter – diese weisen auf eine charakteristische Realitätsgewissheit hin,
  • Neologismen – diese weisen auf eine charakteristische Realitätskorrektur hin,
  • Metaphern – diese ermöglichen eine spezifische Verknüpfung verschiedener Realitätssphären.5

Nun werden die prägnantesten Lexeme den in der Sprachwissenschaft üblichen argumentationstheoretischen Einheiten:

  • Situationsdarstellung,
  • Situationsbewertung,
  • Prinzipien,
  • Ziele

zugeordnet.
Wir konkretisieren dies hier, indem wir die ersten beiden Elemente unter:

  • Blick auf die gesellschaftliche Situation

und die beiden letzten Elemente unter:

  • politische Thesen

zusammenfassen.
Nachdem wir dies getan haben, lassen sich hieraus allgemeinere Schlüsse zur Sprache bzw. zum Realitätsbild der untersuchten Website bzw. der dahinterstehenden Organisation/Person(en) ziehen.

 

2.2 Deontische Analyse:

Die Deontik kann als „Logik des Sollens“ beschrieben werden. Diese beruht auf der Eigenschaft politischer Kommunikation, aus Äußerungen über eine Gruppe, konkrete Handlungsaufforderungen zu deren Gunsten bzw. Ungunsten abzuleiten – also: was der Aussagende als positiv oder negativ bewertet, soll auch der Adressat so bewerten.
In einem ersten Schritt suchen wir also solche Äußerungen über Gruppen und geben die von uns vermuteten diesbezüglichen Handlungsaufforderungen an.
In einem zweiten Schritt unterscheiden wir bzgl. der ermittelten Äußerungen zw.:

  • deontischer Expliziertheit – hier ist die positive oder negative Bedeutung fester Bestandteil des verwendeten Wortes,
  • deontischer Impliziertheit – hier erschließt sich die Bedeutung erst durch stilistische Komponenten, die zusätzlich zur Hauptbedeutung des Wortes mitschwingen.

In einem dritten Schritt schließlich sammeln wir:

  • Stigmawörter – diese stellen explizit negative Nominationen dar,
  • Fahnenwörter – diese stellen explizit positive Nominationen dar.

Die Durchführung dieser drei Schritte befähigt und wiederum Schlüsse auf die Programmatik u./o. das Welt- und Menschenbild der durch die Website vertretenen Interessengruppe zu ziehen.

 

 

1 Vgl. Nielsen Jakob 2000: Der Erfolg des Einfachen, Müchen, S.8ff.

2 Vgl. http://www.weblab.uni-lueneburg.de/weblab/seminare/webdesign/usability.php

3Vgl. Schweibenz, Werner/Thissen, Frank 2002: Qualität im Web, Berlin.

4 Vgl. Niederst, Jennifer 1996: Web-Design_Gestaltungsgrundlagen für ein neues Medium, Bonn, S.x1.

5 Vgl. Pörksen, Bernhard 2000: Die Konstruktion von Feindbildern. Zum Sprachgebrauch in neonazistischen Medien, Wiesbaden, S.103ff.

6 Vgl. Klein, Joseph 2005: „Grundwortschatz“ der Demokratie, in: Kilian, Jörg (Hg.): Sprache und Politik. Deutsch im demokratischen Staat, Mannheim, S.135f.

7 Klein; Josef 2000: Bewertendes reden über Migranten im Deutschen Bundestag, Berlin, insbesondere auch S.242ff.

 

16.01.2007
Jan Oppermann
Informationsdienst: für kritische Medienpraxis