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für kritische Medienpraxis


Stichworte zur INTERNET-PRÄSENZ DER JÜDISCHEN COMMUNITY

Vom 2. Mai 2005. Autor Richard Herding

Antisemitismus und der Umgang damit; Internet-Strategien im Dilemma zwischen „radikaler Toleranz“, Notwehr-Maßnahmen und staatlichen Verboten.

Aus dem Seminar "Analyse der Internet-Öffentlichkeit potentieller Zielgruppen rechtsextremistischer Aggression in Deutschland"  (Sommersemester 2005, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freie Universität Berlin; im Kommentierten Vorlesungsverzeichnis: Hauptseminar 15385): Wie klärt "HaGalil" über Judentum und antisemitische Vorurteile auf ?


Diskussionsthemen:

 

1) „HaGalil“ als Beispiel einer gelungenen Website

Vergleichender Besuch bei www.hagalil.com bzw. www.hagalil.de, www.juden.de und dem „Jungen Jüdischen Web in Deutschland“, www.jjwd.de mit Analyse der Berichterstattung über den brutalen Mord an Marinus Schöberl in Potzlow, Brandenburg, 2002 („undeutsche“ HipHopper-Hose & blondierte Haare, lernschwacher Schüler, Tendenz „unwertes Leben“ beliebig antisemitisch etikettiert: Staats-Autoritarismus – Alltags-Autoritarismus – Aggressive Wahn-Konstruktionen). Dazu sehr gut Andreas Veiel’s Stück „Der Kick“, das April/Mai 2005 in Berlin gespielt wird -eigentlich ein Dokumentarfilm, aber da sich die EinwohnerInnen weigerten, auch anonymisiert irgendwelche Aussagen vor der Kamera zu machen, wurde der Ausweg „Theater“ gewählt.

Es gebe keine jüdische Verschwörung, darum werde man auch keine Informationen darüber finden, wohl aber über jüdisches Leben, jüdische Geschichte und Kultur … So die offensive Einleitung bei HaGalil, der auch eine ausdrücklich so genannte Abteilung für politische Bildung entspricht. Welche Aufklärung findet der bei uns immer als Beispiel angenommene Neuruppiner (brandenburgische) 17jährige Schüler? (Versuch 21.11.03: Verweis auf Jugendnetz Pankow, aber „z.Z. geschlossen“). Besuch am 26.4.05 bei Hagalil zum Thema Beschneidungsritual in der jüdischen Community: die Kritik des Reformjudentums wird erwähnt, aber nicht dargestellt, was argumentativ zu unnötigen Engpässen führen könnte. Der Vergleich mit der Zwangsbeschneidung etwa in afrikanischen Traditionen, gegen die derzeit fast unbestritten, weltweit, die Verbotstendenz dominiert, - dieser Vergleich fehlt, wäre aber doch sinnvoll.

2) Toleranz und Repression gegen Antisemitismus im Netz: Beispiel indymedia

Hier geht es um die Kontroversen um Antisemitismus auf "indymedia", insbesondere um den „transparente Mülleimer“: Texte, die zB wegen Rassismus oder Antisemitismus wegzensiert wurden, sind abrufbar, sodass die NutzerInnen eine Kontrolle behalten! Und im Gegensatz dazu die Strategie radikaler Toleranz: „Freiheit auch für die Feinde der Freiheit“ als demokratisch überbietender Modus, wobei Ausnahmen als Notwehr eingegrenzt sein sollten (Herbert Marcuse).

3) Aufklärung über jüdische Geschichte, jüdisches Leben

Hier liegen die Stärken der WebSite HaGalil, großenteils ohne Kontroversen.

4) Vermeidung der scheinbaren Bestätigung von Vorurteilen?

Offensiver oder defensiver Umgang mit Vorurteilen: Beispiel von Banken-Annoncen bei HaGalil, Besuch 2003. Das "jüdische Finanzkapital" im Antisemitismus, auch bekannt als "raffendes" im angeblichen Gegensatz zum "schaffenden" Kapital, könnte so verstärkt thematisiert werden.

5) Antisemitismus und Antizionismus im historischen Verhältnis

Der Scheidepunkt in der Geschichte der "Neuen Linken" war der Sechs-Tage-Krieg von 1967. Ist die (traditionelle linke) Forderung eines einheitlichen Staates Palästina für jüdische und nichtjüdische BürgerInnen heute als antisemitisch zu werten?

Aspekte der Bekämpfung von Antisemitismus:

  • Probleme des Bildungsprivilegs; auch hier wieder nachzulesen bei Ursula Jaerisch, Sind Arbeiter autoritär?);
  • Schuld und Scham als überhistorische, quasi-religiöse Fragen bzw. Einstellungen.