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für kritische Medienpraxis


Tätigkeitsbericht 2002

Vom 11. Juni 2005. Autor Ursula Bub-Hielscher / Richard Herding / Manfred Windecker

 

Themen, Diskussionen, Veröffentlichungen

 

Auch 2002 war beim „Informationsdienst: für kritische Medienpraxis“ (ID) die Bearbeitung des Nazi-Judenmordes im europäischen Film eine wichtige Publikations-Aufgabe. „Sobibor“, der Film über einen der wenigen gelungenen KZ-Aufstände, war dabei, neben „The Secret“, „Dust“ u.a.. Von der neuen Mitarbeiterin Sabine Kleczewski wurden „The Laramie Project“ (Gewalt gegen Homsexuelle) und „Paradox Lake“ (Autistische Jugendliche) hinzugenommen. Die Rezensionen der betreffenden Berlinale-Filme erschienen im Netz-Magazin „Rezension.net“.

Aus der Untersuchung der Internet-Öffentlichkeit der fremden- und behindertenfeindlich angegriffenen Gruppen kam ein Seminarvorschlag zustande, der am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin positiv aufgenommen wurde und im Jahr 2003 praktisch umgesetzt werden soll. - Auch für SEKIS (Selbsthilfe-Kontakt- und Informations-Stelle) wurde ein Seminarkonzept zur Verbesserung der Internet-Öffentlichkeit der beteiligten Gruppen entwickelt.

Im Hausverein des Hauses der Demokratie und Menschenrechte und bei der Stiftung Haus der Demokratie engagierte sich der ID weiterhin für die Veranstaltungen zum 50. Jahrestag des DDR-Aufstands vom 17. Juni 1953. Um östliche wie westliche „Verschwörungstheorien“ und um die Autonomie der Aufständischen soll es beim ID-Beitrag gehen.

Die etwa siebzig „NGO“-Projekte im Haus der Demokratie und Menschenrechte wurden weiterhin vom ID unterstützt. Das ID-initiierte Mediengruppen-Treffen brachte regelmäßig die „hauspost“ heraus, fast immer auch mit ID-Beiträgen. Das Konzept für die Weiterqualifikation und den Erfahrungsaustausch der Projekte (Geld, Spendenbeschaffung, Finanzierungs-Anträge, Gruppendynamik, Öffentlichkeitsarbeit) wurde weiter präzisiert. Alltagsprobleme des Hauses, von der Namensgebung des Cafés bis zur Kontaktaufnahme benachbarter Projekte, wurden mit ID-Hilfe angepackt.

Weiterhin ging es auch um Einzelpersonen mit Beschwerden in der Öffentlichkeit, zum Teil sogenannte Querulanten. Leider kam der Film bei „Ohne Gepäck“ -„Sich fügen heißt lügen“- wegen anderer vordringlicher Projekte der Filmproduzenten noch nicht weiter voran.

Die Probleme der Balkan-Länder im früheren Jugoslawien waren weiterhin Thema von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen im Haus der Demokratie und Menschenrechte. Nebih Selmani als Hauptreferent hielt ständig den Kontakt zu Kosova (so die selbstgewünchte Schreibweise, nicht „das Kosovo“) und Makedonien (Skopje) wie auch zu den entsprechenden Emigranten-Communities in Deutschland.

Im Gefolge von „Ground zero“ –New York, 11. September 2001- wurde der ID mit dem Thema „Humanität und Guerilla“ zur Nahost-Konferenz in Berlin eingeladen. Auch hier ging es um Standards des „Guerilla-Kriegs-Rechts“ zur Unterscheidung zwischen Partisanen und Killerkommandos.
 
„Ökologische Öffentlichkeit“ hieß eine ID-Dokumentation der Veröffentlichungen von Karl F. Kassel (heute Elbe-Jeetzel-Zeitung), von Stammheim 1977 zu den Kämpfen gegen das atomare Endlager und die Wiederaufbereitungsanlage Gorleben (Niedersachsen).

Die Verschlechterung von Arbeitsmarkt-Regelungen (Hartz-Kommission, Ich-AGs) mit ihren Folgen insbesondere für Menschen mit schweren Behinderungen wurden von Sabine Kleczewski in diversen Artikeln und Referaten behandelt und problematisiert, u.a. in der „tageszeitung“. Auch ein Vertreter des Integrationsfachdienstes Mosaik wurde ins Haus eingeladen, um über weitere Beschäftigungsmöglichkeiten für Schwerbehinderte zu sprechen. Das „SpeechToSpeech“-System für Sprachbehinderte war ebenfalls ein ID-Thema. Publikationen über „Existenzgeld“ als Alternative zu jetzigen Regelungen wurden im ID entworfen.

Gegen Ende des Jahres beherrschte die Debatte um einen möglichen Krieg der U.S.A. im Irak die Öffentlichkeit, so dass der ID in seinen Beiträgen versuchte, trotz aller Kriegsgegnerschaft die Opfer der Diktatur im Irak, etwa Kurden und andere, nicht „verschwinden“ zu lassen. Nicht zuletzt in diesem Rahmen intensivierten sich weiterhin die Kontakte zwischen dem internationalen elektronischen Basismedium „indymedia“ und dem ID.

 

Ausbau des Schwerpunkts „Mediendemokratie“

Sabine Kleczewski nahm sich intensiv des Themas „Mediendemokratie“ an. Veranstaltungen im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Podiumsdiskussionen etwa bei „Healing the Nations“, Angebote bei Volkshochschulen und Bürgerinitiativen, Texte für verschiedene Medien dienten der Verbreitung des medien-demokratischen Ansatzes und der breiten Information auch über
- „Initiative Nachrichtenaufklärung“ Dortmund,
- „Fairness and Accuracy in Reporting“ (FAIR), New York,
- „Project Censored“, Kalifornien,
- Internationales Institut für Sozialgeschichte Amsterdam,
- ID-Institut für Kreatives Schreiben (INKAS) Bad Kreuznach,
- Informationsdienst Frankfurt am Main, und
- ID-Verlag Berlin.

Besuche bei INa Dortmund und IISG Amsterdam wurden vorbereitet. Axel Diederich vom IISG sprach im Haus der Demokratie und Menschenrechte auf ID-Einladung über Archivierung im HDM sowie über „Elektr(on)ischen Kapitalismus und Wissen&Information“. Für die INKAS-Sammlung „Macht Schule Amok“ nach der Jenaer Katastrophe (Amoklauf eines abgewiesenen Schülers, 16 Gewaltopfer, 2002)) wurde ein Beitrag verfasst.

Ergänzend zum Schwerpunkt „Mediendemokratie“ wurde in der Rezension von Helmut Lindemanns „Arbeit des Publizisten“ im „Vorwärts“ der Akzent auf die Unabhängigkeit hochqualifizierter Profis gesetzt.

 

Tägliche Beratungsarbeit

Weiterhin fanden viele Beratungsgespräche statt, bei denen die Probleme von Beratungsmöglichkeiten betreffs eigener sexueller Identität bis zu Finanzierungsfragen für einen NGO-Film (inclusive Greenpeace und Wildwasser, also über das Haus der Demokratie und Menschenrechte hinaus) reichten. Beim ID konnten sich Ratsuchende, egal ob „Normalbürger/in“ oder Profi, ob völlig verzweifelt oder zielstrebig, bei einem Gespräch mit Kaffee, Tee und ein wenig Imbiss mit sachkundigen Tipps versorgen: War das Problem einigermaßen geklärt, so begann die sachgemäße Führung durch den Medien-Dschungel …

Ursula Bub-Hielscher / Richard Herding / Manfred Windecker

(Vorstand)