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für kritische Medienpraxis


Tätigkeitsbericht 2003

Vom 12. Juni 2005. Autor Richard Herding

 

Bildungsarbeit, Veranstaltungen, Veröffentlichungen

 

Bei der Berlinale 2003 hatte sich der „Informationsdienst: für kritische Medienpraxis“ (ID) weiterhin die Aufgabe gestellt, über die Bearbeitung des Nazi-Judenmordes im europäischen Film zu schreiben. Die Filme „Bernau liegt am Meer“, „Babij Jar“, „Mutter“, „Schöne Grüße aus Dachau“, „Birkenau und Rosenholz“, „Große jiddische Liebe“ gehörten zu dieser Gruppe. (Über Stalingrad und Holocaust beim Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge wurde der „tageszeitung“ ein Text angeboten.)

Durch das Engagement der ID-Mitarbeiterin Sabine Kleczewski kam eine weitere wichtige Perspektive hinzu: gesellschaftskritische Filme aus europäischen Produktionen (incl. Mittelmeerländer), immer im Vergleich zu „Hollywood“: „Das Lied des Jahrtausends“, „Identity Kills“, „Edi, Polen“, „Io non ho paura“, „In dieser Welt“, „Teknolust“ behandeln Probleme von Psychiatrie bis Männer-Sexualverhalten, von Angst im Kinderleben bis Emigration. - Die Besprechungen erschienen im „Rezension.net“.

Am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin wurde das Seminar „Analyse der Internetpräsenz potentieller Opfergruppen rechtsextremistischer Aggression in Deutschland“ von Studierenden mit großem Interesse aufgenommen. (Für den ID sind Dr. Richard Herding und der neue Mitarbeiter Sven Bremer, Diplom-Designer (FHS), mit der Durchführung des Lehrauftrags -ohne Honorar, der Universität fehlen die Mittel- beauftragt.).

In Kombination mit dem Hausverein des Hauses der Demokratie und Menschenrechte und der Stiftung Haus der Demokratie veranstaltete der Arbeitskreis „Geschichte sozialer Bewegungen von unten / Ost und West“ eine Diskussion über den DDR-Aufstand vom 17. Juni 1953. Der ID macht bei dem Arbeitskreis mit und stellte hier die Thesen über die Öffentlichkeit des Aufstands zur Diskussion.

Das Haus der Demokratie und Menschenrechte, der Hausverein und die Projekte im Haus wurden auch 2003 vom ID vielfältig unterstützt. In der „hauspost“ erschienen meist auch ID-Beiträge. S. Kleczewski trat in einem Film von Caroline Lund über das Haus und seine Projekte auf. ID-Mitarbeiter Jürgen Adam recherchierte über die Archiv- und Dokumentationsbestände im Haus, hochinteressant nicht zuletzt wegen der DDR-Oppositions-Herkunft vieler Gruppen, und der ID veranstaltete eine Diskussion darüber.

Über sogenannte „Querulanten“ und die Beschäftigung des ID mit ihnen brachte DeutschlandRadio Berlin (Anette Schneider) einen Beitrag mit Interview (R. Herding).

ID-Mitarbeiter Nebih Selmani hielt einen vielbeachteten Vortrag über „Humanitäre Okkupation“ auf dem ex-jugoslawischen Balkan, insbesondere Kosova [albanisch-sprachige Eigenbezeichnung, statt Kosovo] und Makedonien (Skopje).

Ökologie war wichtigster Inhalt bei einem Artikel über das „Journal for irreproducible Results“ („Zeitschrift für nicht-wiederholbare Ergebnisse“, Satire-Magazin für Naturwissenschaft und Technik, und dem Anti-Nobel-Preiskomitee nahe stehend) in der „tageszeitung“.

Die Freien Radios und die Friedrich-Ebert-Stiftung luden den ID ein, auf ihrer Nürnberger Tagung über nicht-kommerziellen Lokalfunk zum Thema „Qualifikation und Partizipation bei offenen Medien“ Stellung zu nehmen. Auch über das „Rheinische Journalistenbüro“ in Köln, das hauptsächlich Beiträge für öffentlich-rechtliches Radio macht, veröffentlichte der ID einen ausführlichen Beitrag („Contraste“, Nürnberg).

Die Verschlechterung am Arbeitsmarkt wurde von Frau Kleczewski weiter in Artikeln und Referaten analysiert.

Wegen des Kriegs der U.S.A. im Irak fand im Haus der Demokratie und Menschenrechte eine Debatte über „Medien im Krieg“ statt“, für die der vom ID die Verbindung zum arabischen Fernsehsender Al Dschasira (Vertretung in Berlin) herstellte.

Schwerpunkt: Mediendemokratie
ID-Mitarbeiterin Kleczewski  arbeitete weiter am Thema „Mediendemokratie“, insbesondere bei der Bremer Sommeruniversität (Disability Studies), wo sie über „Mediendemokratie für Menschen mit Behinderungen“ sprach. Sie nahm an der Jahrestagung der „Initiative Nachrichtenaufklärung“ Dortmund teil. Sie berichtete auch über die Stellungnahme von „Project Censored“ auf dieser Veranstaltung zu angeblich ungeklärten Fragen des Elften September 2001/Ground zero.

Mit Unterstützung von „Netzwerk Selbsthilfe“ veröffentlichte sie die Broschüre „Zu Wort kommen“ über
- „Initiative Nachrichtenaufklärung“ Dortmund,
- „Fairness and Accuracy in Reporting“ (FAIR), New York,
- „Project Censored“, Kalifornien,
- Internationales Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam,
- ID-Institut für Kreatives Schreiben (INKAS), Bad Kreuznach,
- Informationsdienst Frankfurt am Main, und
- ID-Verlag, Berlin,
und stellte sie zur Diskussion.

R. Herding las bei „Autoren für den Frieden“ von ID-INKAS in Daun (Eifel). Für das Jüdische Museum in Berlin erarbeitete er eine Stellungnahme zum Antisemitismus im Häuserkampf zu Frankfurt am Main (1970er/1980er-Jahre).

Zum 30. Geburtstag des ID am 20. Juni 2003 (erste Ausgabe des „Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten“, 1973) erschienen Artikel im „Neuen Deutschland“ und in der „hauspost“.

Tägliche Beratung:
Ungebremst gingen die Beratungsgespräche in den meist offenen ID-Büros weiter. Die Probleme reichten von Ängsten vor einer Gruppe von Psychiatrie-Erfahrenen, weil sie „Irrenoffensive“ heißt, bis zu widersprüchlichen Termin- und Ortsangaben für Demonstrationen.

Der ID hilft den Beratungs-InteressentInnen weiter, egal auf welchem Niveau der Kenntnisse und Erfahrungen bezüglich der Medien-Welt. Oft ist ein kleiner Imbiss nützlich: Häufig muss das Problem erst in vertrauensvollem Gespräch geklärt werden, bis über Kontakte, Beschwerdestellen, oder Organisationen gesprochen wird.

 

Ursula Bub-Hielscher / Richard Herding / Manfred Windecker
(Vorstand)