POLITISCHE ANALYSE DER INTERNET-ÖFFENTLICHKEIT

Teaser

Seminar am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der FU, Wintersemester 2006/7
Demokratischer Medienzugang für alle, vor allem für benachteiligte Gruppen unserer Gesellschaft: darum geht es in dem ehrenamtlichen Lehrauftrag am OSI der Freien Universität über POLITISCHE ANALYSE DER INTERNET-ÖFFENTLICHKEIT

Author

Richard Herding

 

Ausgehend von der Bedeutung der Selbstdarstellung im Internet als Element der „Informationsgesellschaft“ sollen kontroverse und vernachlässigte Themen der digitalen Öffentlichkeit behandelt werden.

Ein Schwerpunkt: Rechtsextremismus im Internet. Hier sind die Wirkungen rassistischer und sozialdarwinistischer Propaganda-Inhalte insbesondere auf jugendliche User-Gruppen, auch im Hinblick auf Gestaltung, Finanzierung, Wirkungen staatlicher Maßnahmen zu thematisieren. Andererseits ist die Internet-Präsenz von Opfergruppen neonazistischer Angriffe –Türkische ImmigrantInnen, Sinti und Roma, Angehörige der jüdischen Community, Obdachlose, Behinderte, „Schwarze Deutsche“ u.a.– wichtig. Dabei geht es um die antirassistischen, interkulturellen Inhalten von WebSites dieser Gruppen. Welche Auseinandersetzungen mit der Nazi-Ideologie sind zu finden - oder welche Formen der Verweigerung einer solchen Auseinandersetzung ? Wie wird die eigene Geschichte und Identität dargestellt ? Eine gesonderte Betrachtung gilt dem Verhältnis von arabischen und islamischen Bevölkerungsgruppen und Rechtsextremismus, insbesondere in Form von Antisemitismus, im Internet. Dabei stellt sich auch die Frage nach Notwendigkeit, Möglichkeiten und Wirkungen von Zensur im Netz.

Darstellungsformen –oft multimediale- der Interaktion und Partizipation, des sprachlichen Witzes, der zeichnerischen Karikatur, der Rock- und Popmusik u.a. werden durchgängig eine wichtige Rolle im Seminar spielen.

Die Internet-Öffentlichkeiten von „Communities“, die in der deutschen Medien-Öffentlichkeit eine besondere, vielfach ausgegrenzte Rolle spielen, sollen auch unabhängig vom Rechtsextremismus behandelt werden. Das gilt für innovative Ansätze wie die jüdische Präsenz, die der „Schwarzen Deutschen“, der Schwulen, der Menschen mit Behinderungen, der advokatorischen Gruppen für Obdachlose. Auf die „digitale Teilung“, also den faktischen Ausschluss bestimmten Bevölkerungsgruppen (AsylbewerberInnen, „Sans-papiers“, Obdachlosen-„Basis“, PflegeheimbewohnerInnen, Strafgefangene ?) von dieser demokratisch-partizipatorisch anspruchsvollen Öffentlichkeitsform ist einzugehen. Wieweit Gruppen ohne „Lobby“ oder auch Einzelne mit gesellschaftlich relevanten Anliegen, oft als „Querulanten“ diskreditiert, das Netz nutzen, kann ebenfalls eines der Schwerpunkt-Themen sein.

Die Studierenden können bei der Analyse bestimmter WebSites nach entsprechender Vorbereitung und unter Beachtung gemeinsam erarbeiteter Regeln praktische Kontakte mit den betreffenden Gruppen oder kritischen Initiativen wie ChaosComputerClub aufnehmen. Das Seminar soll die dabei gemachten Erfahrungen im theoretischen Rahmen von Internet-Sozialisation und Analyse demokratischer Öffentlichkeit aufarbeiten.

International Students can participate in this seminar on Political Analysis of the Internet in Germany (Nazism,“ Minority Groups“ and Interculturalism, Censorship, The Digital Divide, etc.) using English language. Whenever needed, written materials will be summarized in English.


Lit. z. Einf.: Manuel Castells, Das Informationszeitalter, Deutsche Ausg. Leverkusen/Opladen, 2001-03