Informationsdienst:

Skip to content

Informationsdienst:

für kritische Medienpraxis


KOREA UND DIE DEUTSCH-DEUTSCHEN ERFAHRUNGEN: Agenda für Symposiums-Beiträge im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte

Vom 12. Mai 2006. Autor Richard Herding

 

(Für Stiftung Wissenschaft und Politik, Dr. Hanns Günther Hilpert, Dr. Kay Möller, Dr. Markus Tidten / Red. ID Medienpraxis, Richard Herding unter Mitarbeit von Johannes Klausa, 20166296, 34709450. Red. Fassung 19. April 2006. Dank an Roland Brauckmann, amnesty international, Koordination Nordkorea)

 

 

Wie steht es um Korea? Und was hat diese Frage mit dem Haus der Demokratie und Menschenrechte zu tun, einem „Erbe“ der oppositionellen BürgerInnen-Bewegung der Deutschen Demokratischen Republik 1989/90?

 

Mehr als eine Dekade nach dem Ende der Block-Konfrontation ist Korea eines der letzten Relikte des Kalten Krieges [Einzelangaben: teilw.’04/zu aktualisieren]. Auf der Höhe des 38. Breitengrades teilt eine 240 km lange „demilitarisierte Zone“ das Land. An dieser Grenze stehen sich noch immer etwa 1,1 Millionen nordkoreanische und 670 000 südkoreanische Soldaten gegenüber. Letztere werden von ca. 30000 u.s.-amerikanischen GIs verstärkt. Kommunikation zwischen den beiden Bevölkerungen ist nicht möglich. Die Situation kann jeden Tag kippen, das Land in einen heißen Krieg und die Welt in eine tiefe Krise stürzen. Es galt als großer Erfolg, als einige wenige ältere Menschen aus den beiden Teilen des Landes unter dem Stichwort „Familien-Zusammenführung“ und unter den wachsamen Augen der Aufseher für einige wenige Stunden zusammen geführt wurden. Als sich im Juni 2000 die beiden Staatschefs der Republik Korea –Süden- und der Koreanischen Volksrepublik –Norden in Pjöngjang, der nördlichen Hauptstadt, erstmals die Hände reichten, sprach man bereits von einem „geschichtlichen Wendepunkt“, von einem „koreanischen Mauerfall“ und von „wunderbarer Friedensstiftung“. Der südkoreanische Staatspräsident Kim Dae-Jung erhielt für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Friedens-Nobelpreis.

Wie hat sich die Situation in den letzten sechs Jahren verändert? Was für Parallelen gibt es zwischen der koreanischen und deutschen Teilungs-Geschichte ? Worin bestehen die Unterschiede? Kann die deutsch-deutsche Einheit für eine mögliche koreanische Pate stehen? Kann Korea möglicher Weise Lehren aus der Vereinigung Deutschlands ziehen? Wenn ja, welche?

Das Jahr 2005 wurde von den Veranstaltern der Asien-Pazifik-Wochen zum „Korea-Jahr“ erklärt. Koreanische Themen wurden somit ins Zentrum des Interesses der Öffentlichkeit gerückt. Ähnlich bei der Buchmesse in Frankfurt am Main. Im gleichen Jahr jährte sich der Tag der deutschen Vereinigung zum 15. mal. Was liegt also näher, als diese beiden Themen aufzugreifen und zusammenzuführen? Ist das Haus der Demokratie und Menschenrechte nicht prädestiniert als ein Ort für eine solche Begegnung und den Dialog zu diesem Thema? Kann es vielleicht einen Beitrag leisten? Denkbar ist eine Podiumsdiskussion, bei der das gegensätzliche Verständnis jeder Seite beim Reden von „Wiedervereinigung“ untersucht wird, ohne vorschnell den moralischen Zeigefinger zu heben oder eine Seite zu verurteilen. Vielmehr sollte im Bewusstsein um die Schwierigkeiten einer möglichen (Wieder-) Vereinigung zweier geteilter und unterschiedlicher Länder Raum für Annäherung und konstruktives Gespräch geschaffen werden.

Aus der Erfahrung Deutschlands heraus gilt es speziell jeder Seite Raum zu geben, ihre Position darzustellen.

 

"' Sag, wie steht es eigentlich um Korea?', schallt es durch ein Mobiltelefon der koreanischen Marke Samsung. Die Frage von Richard Herding, 'Informationsdienst: für kritische Medienpraxis' im Haus der Demokratie und Menschenrechte (und lange Zeit Mitglied des Kuratoriums, sowie Gastdozent am Otto-Suhr-Institut für politische Wissenschaft an der Freien Universität Berlin) gilt dem Praktikanten Johannes Klausa, einem jungen Wissenschaftler mit Koreanisch-Kenntnissen – an eben der Freien Universität, die sich für den mühsamen deutsch-koreanischen Lernprozess engagiert. 'Der Gedanke lebt. Ich plane ein Symposium im Haus der Demokratie und Menschenrechte'" (Beitrag für die "hauspost " des HDM).

 

Das Symposium könnte nach jetzigem Vorbereitungsstand etwa folgende Beiträge enthalten:

Achtung: damit keine Missverständnisse entstehen – dies ist eine Ideenskizze, eine Vision sozusagen, um überhaupt anzufangen. Zu manchen potentiellen ReferentInnen bestehen noch keine Kontakte. Zeitrahme, Titel von Referaten usw. sind vielfach noch nicht abgestimmt. Also eine Agenda, mehr nicht !)

  • Hans-Andreas Schönfeldt (Kuratorium der Stiftung „Haus der Demokratie“, zeitweise im Stiftungs-Vorstand, Dr.jur mit dem Thema „Verbot des (Erst-)Einsatzes von Kernwaffen“) über Kontakte DDR-Nordkorea: Staatsbesuche, Aufbauhilfe, NK-Gaststudierende in der DDR. Was ist bekannt, was wird verborgen ? Was ist geblieben, was für Kontakte gibt es heute noch ?;
  • Richard Herding (Dr. phil., Sozialforscher, „Informationsdienst: für kritische Medienpraxis“, Journalismus mit Schwerpunkt“ vernachlässigte Themen“, Analyse der DDR-Oppositionsmedien 1986-89, 2001-03 Kuratoriumsmitglied der Stiftung „Haus der Demokratie“) über Nordkorea in der westlichen „68er-Bewegung“- und gab es Kontakte in der DDR-Oppositionsbewegung (bzw. Gründe für deren Fehlen);
  • K.D.Wolff (Aktivist der 1968er-Bewegung, Sozialistischer Deutscher Studentenbund, Verleger „Stroemfeld /Roter Stern“, Frankfurt am Main, bekannt v.a. durch die historisch- textkritische Hölderlin-Edition, Herausgeber der Werke von Kim Il Sung in deutscher Sprache) über Vorbild und Phantom: Maoismus und die Chuch’e (etwa: Autonomie und Klassenharmonie, dt. auch „Juche“)-Ideologie Nordkoreas als Dritte-Welt-Avantgarden in der Studentenbewegung;
  • Nik Nitschmann („Untergrund“-Medienaktivist der DDR-Oppositionsbewegung seit 1986, INKOTA = INformation, KOordination, TAgungen) über Nicaragua, Cuba, Angola – und Nordkorea ? Zweidrittelwelt-Politik als gemeinsames Feld von offizieller und oppositioneller Politik in der DDR,
  • Johannes Klausa (Diplomand der Politischen Wissenschaft an der Freien Universität / Otto-Suhr-Institut) über Der koreanische und der deutsche Einigungsprozess: Sind die Differenzen unüberbrückbar?;
  • Hans-Eberhard Schultz (Rechtsanwalt in Bremen und Berlin, Anwaltspraxis im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Schwerpunkt u.a. Menschenrechte, Ausländerrecht; Beobachter beim Prozess gegen Prof. Song Du-Yul, Essen, in Seoul) über Das Erbe des autoritären Nachkriegs-Regimes in Südkorea und seine konservativen Nachwirkungen für eine rechtliche, politische und gesellschaftliche Verständigung (mit Berücksichtigung von Dr. Song Dschun –Berlin/Japan, Sohn von Prof. Song Du-Yul , ohne auf Mitarbeit zu rechnen) über Menschenrechte und Politik im fortdauernden „Kalten Krieg“ zwischen Nord- und Südkorea;
  • Hans Maretzki (Potsdam, der letzte, skeptische DDR-Botschafter in Nordkorea, über Gegenseitige Wahrnehmung der deutschen und der koreanischen Teilung 1949 bis 1989 mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR (zB TeilnehmerInnen des Weltjugendtreffens in Pjöngjang, FDJ, in kritischer Auseinandersetzung; auch Verein Zeitgeschichten, Halle, und Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheits-Dienstes (BStU)/Birthler-Behörde über die Rolle der Zusammenarbeit von deutscher und nordkoreanischer „Staatssicherheit“, u.a.);
  • N.N. (Zeitzeuge/Zeitzeugin kirchlicher Korea-Kontakte zu DDR-Zeiten; Gerd Decke, Pfarrer Berliner Missionswerk, Dr. Ekkehard Zipser; Gossner Mission; EMS (Evangelisches Missionswerk Südwestdeutschland) Stuttgart, Jörg Baruth; u.a.) über Nordkorea und das Milleniumsziel, menschlichen Hunger zu reduzieren: Gab es ein Engagement der Kirchen zur DDR-Zeit - und heute ? (in Kooperation mit den Evangelischen Akademien in Deutschland,
  • N.N. (Zeitzeuge/Zeitzeugin aus kirchlichen Kreisen) über Die Zusammenarbeit der Christlichen Friedenskonferenz (CFK) mit Geheimdiensten: der Ausnahmefall Nordkorea,
  • Egon Bahr (Sozialdemokratischer Politiker, Bundestagsabgeordneter, mit Willy Brandt Initiator der Entspannungspolitik zwischen den Blöcken Ost / West für beide deutsche Staaten in den 1970er Jahren ) über: Erst Entspannung, dann Menschenrechte: deutsch-deutsche Erfahrung, übertragbar auf Korea ?
  • Patrick Köllner (Hamburger Institut für Asienkunde, Schwerpunkt Außenbeziehungen Nordkoreas: ASEAN-Staaten, Japan u.a. über Realität und Mythos eines potenziellen nordkoreanischen Atomwaffeneinsatzes,
  • Hartmut Koschyk (Christlich-sozialer Politiker, Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestags) u/o Thomas Awe (Konrad-Adenauer-Stiftung, Schwerpunkte Atomkriegsgefahr und Beziehungen China-Nordkorea) über: Die politische Praxis der Verhandlungpartner Nordkoreas zwischen Friedens-, Entspannungs- und Menschenrechtspolitik,
  • Sebastian Harnisch (Politikwissenschaftler, Universität Trier, Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen) über: Korea-Krieg und die Folgen - Paradigma für neue Konfliktlösungs--Strategien zwischen “internationaler Gemeinschaft“ und souveränen Staaten,
  • Doris Hertrampf (erste Botschafterin der Bundesrepublik in Pjöngjang, später Brüssel), über Konzeption und Erfahrungen beim Menschenrechts-Dialog der Bundesregierung nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Nordkorea,
  • N.N. (Vertreter/in des Asienhauses / Koreaverbands Essen) über Freundschafts-Beziehungen zwischen Deutschland und der Volksrepublik (Nord-)Korea zur Zeit des Bestehens der DDR und nach ihrer Vereinigung mit der Bundesrepublik (dabei Diskussion der Gesellschaft für deutsch-koreanische Freundschaft, gegründet in der DDR),
  • Holmer Brochlos (Vertreter/in der Freien Universität Berlin, Kommissarischer Leiter des Schwerpunkts Koreastudien) u/o Thomas Kalinowski (Südkorea- und Ökonomie-Experte, zeitw. Otto-Suhr Institut für Politikwissenschaften an der FU) über Das Engagement der Freien Universität zur Unterstützung der Bemühungen für Frieden, wirtschaftliche Stabilität und Menschenrechte in Süd- und Nordkorea,
  • Roland Brauckmann (Koordinationsgruppe Nordkorea, amnesty international; eigene Erfahrung politischer Inhaftierung in der DDR und Unterstützung durch ai) über Die Aktivitäten von amnesty international zur Durchsetzung der Menschenrechts-Konventionen in Süd- und Nordkorea seit 1995 (unter Mitarbeit von Rechtsanwalt Thomas Meier),
  • N.N. (Reporter ohne Grenzen, Human Rights Watch, u.a, mit VertreterInnen des Auswärtigen Amts / Diplomatischer Dienst) über Herstellung von Öffentlichkeit zu Menschenrechtsfragen in Nord- und Südkorea – unter Berücksichtigung der Vereinbarungen zum Menschenrechts-Dialog zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Nordkorea (evtl. auch mit Ex-Nordkorea-Botschafterin Doris Hertrampf, siehe oben),
  • N.N. (Cap Anamur) über Praktische humanitäre Hilfe und Menschenrechtspolitik am Beispiel Nordkorea,
  • Rudolf Hickel (Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik „Memorandum“, Universität Bremen, Korea-Erfahrung, mit Jens Priewe Autor von „Nach dem Fehlstart“ 1994) od. Jens Priewe (Memorandum / „Nach dem Fehlstart“) u/o Gustav A. Horn (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf), über Die Vision von den Kosten einer koreanischen Vereinigung – prohibitiv angesichts des deutsch-deutschen „Fehlstarts“ ?
  • Hanns Günther Hilpert u/o Kay Möller u/o Markus Tidten (Dres rer.pol. bzw. phil., Wissenschaftler am Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit in der Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin, Experten in europäisch-asiatischen Beziehungen) über Annäherungen zwischen Nord- und Süd-Korea: Erfolgsaussichten über die Nachbarn China und Japan ? Bestandsaufnahme ohne Illusionen aus der Sicht gegenwärtiger deutscher Außenpolitik,
  • Rüdiger Pintar u/o Paul Pasch (Friedrich-Ebert-Stiftung, Referat Asien und Pazifik) über Die Entwicklung unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme im Norden und Süden Koreas: eine Analyse über Krieg und politische Zwänge hinaus, sowie im Vergleich mit dem Osten und Westen Deutschlands.

Nach dem Beginn in circa sieben Podien des Symposiums, die sich dem Vergleich mit deutsch-deutschen Erfahrungen in den Punkten Gesellschaft – Friedenspolitik – Kirchen – Wirtschaftsprobleme – Bürger- und Menschenrechte – Biografien – Ideologie widmen, wären diese Themen in je einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung von April bis Juni und September bis Dezember 2006 zu vertiefen. Parallel ist an eine Koordination relevanter Websites gedacht. Neben dem Haus der Demokratie und Menschenrechte ist an Kooperation mit Kirche von unten und Robert-Havemann-Gesellschaft gedacht, beide Projekte sind ebenfalls aus der DDR-Oppositionsbewegung erwachsen. Um Unterstützung soll die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur gebeten werden.

Mit der Stiftung Wissenschaft und Politik –Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit-, Berlin, soll auf der Ebene des Informations-Austauschs und der Recherche zusammengearbeitet werden. Inhaltlich und politisch ist vollständige gegenseitige Unabhängigkeit vorgesehen, auf Grund der unterschiedlichen Aufgabenstellungen soll –abgesehen von der Beteiligung der kompetenten Referenten, wie dargestellt- keine Verknüpfung stattfinden.

 

 

„Wie steht´s um Korea?“


„Wie steht´s um Korea?“ Diese Frage hallte einige Zeit fast täglich durch die Flure des Hauses der Demokratie und Menschenrechte in der Greifswalder Straße. In regelmäßigen Abständen trug der Schall - ausgehend von Richards Büro – diese Worte über das Treppenhaus in das Büro der Öffentlichkeitsarbeit. Dort saß ein Praktikant in der Küche und trank seinen Kaffee. Von der Frage aufgeschreckt drückte dieser seine Zigarette aus, goss sich noch einmal seinen Kaffeepott voll und verschwand für eine Weile in einem Hinterzimmer. Er setzte sich an einen Schreibtisch, der sich unter der Last viel zu vieler bereits überzogener Bücher aus den verschiedenen Berliner Bibliotheken bog, um - sobald die Worte vollends verhallt waren - wieder in die Küche zu schleichen und sich eine Kippe anzuzünden.

Aber wie steht es nun um Korea? Und was hat diese Frage mit dem Haus der Demokratie und Menschenrechte zu tun?

Mehr als eine Dekade nach dem Ende der Block-Konfrontation ist Korea eines der letzten Relikte des Kalten Krieges. Auf der Höhe des 38. Breitengrades teilt eine 240 km lange „demilitarisierte Zone“ das Land. An dieser Grenze stehen sich noch immer etwa 1,1 Millionen nordkoreanische und 670 000 südkoreanische Soldaten gegenüber. Letztere werden von ca. 30.000 amerikanischen GIs verstärkt. Kommunikation zwischen den beiden Bevölkerungen ist nicht möglich. Die Situation kann jeden Tag kippen und das Land in einen heißen Krieg und die Welt in eine tiefe Krise stürzen. Es galt als großer Erfolg, als einige wenige ältere Menschen aus den beiden Teilen des Landes unter dem Stichwort „Familien-Zusammenführung“ und unter den wachsamen Augen der Aufseher für einige wenige Stunden zusammen gepfercht wurden. Als sich im Juni 2000 die beiden Staatschefs der Republik Korea und der Koreanischen Volksrepublik in Pjöngjang erstmals die Hände reichten, sprach man bereits von einem „geschichtlichen Wendepunkt“, von einem „koreanischen Mauerfall“ und von „wunderbarer Friedensstiftung“. Der südkoreanische Staatspräsident Kim Dae-Jung erhielt für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Friedens-Nobelpreis.

Wie hat sich die Situation in den letzten vier Jahren verändert? Was gibt es für Parallelen zwischen der koreanischen und deutschen Geschichte der Teilung? Wo bestehen die Unterschiede? Kann die deutsch-deutsche Einheit für eine mögliche koreanische Pate stehen? Kann Korea möglicher Weise Lehren aus der Vereinigung Deutschlands ziehen? Wenn ja, welche?

Das Jahr 2005 wurde von den Veranstaltern der Asien-Pazifik-Wochen zum „Korea-Jahr“ erklärt. Koreanische Themen werden somit ins Zentrum des Interesses der Öffentlichkeit gerückt. Im gleichen Jahr jährt sich der Tag der deutschen Vereinigung zum 15. Mal. Was liegt also näher als diese beiden Themen aufzugreifen und zusammenzuführen? Ist das Haus der Demokratie und Menschenrechte nicht prädestiniert als ein Ort für eine solche Begegnung und den Dialog zu diesem Thema? Kann es vielleicht einen Beitrag leisten? Denkbar ist eine Podiumsdiskussion, bei der es darum geht, nicht den moralischen Zeigefinger zu heben oder eine Seite zu verurteilen. Vielmehr sollte im Bewusstsein um die Schwierigkeiten einer möglichen (Wieder-)Vereinigung zweier geteilter und unterschiedlicher Länder Raum für Annäherung und konstruktivem Gespräch geschaffen werden.

Aus der Erfahrung Deutschlands heraus gilt es speziell keine Seite zu vergessen oder zu übergehen.

 

„Hallo, hier Richard. Sag, wie steht es eigentlich um Korea?“ schallt es durch den Hörer eines Mobiltelefons der koreanischen Marke Samsung. Der Student im Diplom-Stress trinkt einen Schluck Kaffee und zieht nervös an seiner Zigarette. „Der Gedanke lebt. Ich plane ein kleines Symposium im Haus der Demokratie und Menschenrechte. Aber erst nach meinem Diplom im Sommer des ’Korea-Jahrs’ 2005“.

 

Ein Ex-Praktikant im Diplomstress

 

 

Personen des Dramas in der Reihenfolge des Auftretens: Hans-Andreas Schönfeldt,zeitw. Stiftungs-Vorstand/jetzt Kuratorium, Doktor des Rechts mit Thema „Verbot des (Erst-) Einsatzes von Massenvernichtungswaffen“; Richard Herding vom „Informationsdienst: für kritische Medienpraxis“, auf der Spur vernachlässigter Themen; Johannes Klausa, koreanisch-sprechender Diplomand der Freien Universität Berlin; Heidemarie Kruschwitz, Öffentlichkeits-Kraft der Stiftung Haus der Demokratie; Hans-Eberhard Schultz, Rechtsanwalt in Bremen & im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte - sofern nicht gerade als Prozessbeobachter in Seoul.

 

Richard Herding
12.05.2006