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für kritische Medienpraxis


„Nur der Teddy hat sein Teil oder; weh dem Schriftsteller, der sie nicht nahrhaft füttert.“

Vom 11. September 2011. Autor Björn Langneff. Dieser Artikel ist im Archiv zu finden

Aufmerksamen Freunden und Lesern dieser Seiten und Freunden des „Informationsdienst: für kritische Medienpraxis“ wird er schon einmal aufgefallen sein: Der Doppelpunkt inmitten des Namens. Werbegag? Falle für schlafende Leser? Die Antwort ist sehr viel einfacher und einleuchtender. Der Doppelpunkt ist eine Verbeugung vor dem Soziologen und Philosophen Theodor Wiesengrund Adorno, vielen noch bekannt als Schöpfer des Satzes: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ (Die Sätze davor –„Die fast unmöglich erscheinende Aufgabe ist es  weder von der eigenen Ohnmacht noch von der Macht der anderen sich dumm machen zu lassen.“ –werden dabei gerne Unterschlagen. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Verbeugung deswegen, da TWA einen Aufsatz über Satzzeichen geschrieben hat. (Satzzeichen. –In „Noten zur Literatur“, Seite 106-113, Frankfurt) In diesem Essay widmet er sich- mit heute nur noch schlecht vorstellbarer Liebe, Musikalität und Sinn für das Kleine, unscheinbare- den verschiedenen Satzzeichen.

 

So schreibt er z.B. über den Doppelpunkt: „Doppelpunkte sperren, Karl Kraus zufolge, den Mund auf: weh dem Schriftsteller der sie nicht nahrhaft füttert.“ Genauso wollen wir vom ID unsere Leser -und deren Gehirne- füttern.

 

Ausrufezeichen gleichen ihm gehobenen Zeigefinger, Fragezeichen Blinklichter oder Augenaufschlägen.

Er spottet über die Ausrufezeichen der Expressionisten. (In ihr hat sich der Expressionismus verbrannt; mit dem Ausrufezeichen hat er die eigene Wirkung sich gutgeschrieben, und darum ist sie in ihnen verpufft. A.a.O.s.108)  Nochmehr aber über die drei Punkte der Impressionisten.(...suggerieren die Unendlichkeit von Gedanken und Assoziation die eben der Schmock nicht hat, der sich drauf verlassen muß, durchs Schriftbild sie vorzuspiegeln. S.109) Er hebt die Musikalität der Schriftzeichen hervor was jedem der seinem Kind etwas vorließt und sich an den verschiedenen Satzzeichen orientiert bestätigen wird.

Solch Nachschmecken, solche Liebe zum Detail ist heute selten geworden. Ob man dies bedauern soll, oder ob man es schön findet darf jeder selbst entscheiden, meine persönliche Liebe hat es!

Theodor W. Adorno aber unsere herzlichsten Glückwünsche, er wäre am 11. September 2011 hundertundacht Jahre alt geworden.