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für kritische Medienpraxis


Der ID-Jahresbericht 2007

Vom 5. November 2008. Autor Ursula Bub-Hielscher, Richard Herding, Manfred Windecker

Bildungsarbeit: Veranstaltungen, Veröffentlichungen

Die WebSite des „Informationsdienst: für kritische Medienpraxis“, ursprünglich von Daniel Weikow und Micha Klein aufgebaut, wurde in diesem Jahr endlich „renoviert“, was vor allem Verena Zajonc zu verdanken ist, die ein Praktikum als Internet-Fachkraft für Information und Dokumentation beim ID machte. Vor allem auch die redaktionelle Bearbeitung, die dem Internet als eigenständigem Medium neben Print- und anderen Medien gerecht wird, fand viel Beifall.

Weiterhin war der ID-Verein stark mit den Seminaren am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin  über die „Internet-Öffentlichkeit“ beschäftigt, die als Lehraufträge (unbesoldet) von dem Dreierteam Bremer/Herding/Oppermann durchgeführt wurden. Unaufhörlich wurden auch noch Arbeiten aus den vergangenen Semestern nachgereicht. Die Vielfalt der Themen umfasste die Kritik der Iran-Berichterstattung von SPIEGELonline, die Internet-Präsenz von Rechtsextremismus und  Antisemitismus, das Portal „Indymedia“ , den Versuch  eines direkten Kontakts zwischen WählerInnen und Gewählten über „Abgeordnetenwatch“ aufgrund einer Initiative der Basis-Organisation „Mehr Demokratie“, und vieles mehr. Immer deutlicher wird die Notwendigkeit, diese Netzkritik als Medienkritik auch in Buchform zu veröffentlichen.

Bei den Berliner Filmfestspielen 2007 stand unter dem Thema „Holocaust im Filmschaffen Europas“ die Erinnerungspolitik im Vordergrund, so in dem ZeitzeugInnen-Dokument „Steal me a Pencil“ (Niederlande/Großbritannien). Dabei kann allerdings gefragt werden, ob es nur Zufall war, dass auch hier eine europabezogene Schlüssel-Produktion aus den U.S.A. kam, nämlich der Film über das Wirken des Nazitäter-Aufspürers Simon Wiesenthal, „I have never forgotten you / Ich habe euch nicht vergessen“ (2006). Auch die „neuen“ Länder des früheren Ostblocks spielen eine verstärkte Rolle, hier „Der letzte Zug“ (Artur Brauners Produktion, Regie u.a. Joseph Vilsmaier, Tschechien 2006). Der ethische Widerspruch in „Die Fälscher“  (Österreich 2006) war bemerkenswert (wie auch in „The Good German / Der gute Deutsche“, allerdings wiederum ein U.S.-Film). Leider mussten die Veröffentlichungen der Rezensionen verschoben werden, weil vor allem das Internet-Seminar viel termindrängende Arbeit machte.

Zum Thema „Die beiden Koreas und die Erfahrungen der deutsch-deutschen Vereinigung“ wurde ein neues „Trostfrauen“-, sprich Zwangsprostitutions-Buch rezensiert. Es ist Ergebnis einer sehr seltenen Zusammenarbeit beider Koreas, nämlich bei der Kritik an der heutigen japanischen Politik, die eine staatliche Wiedergutmachung nach wie vor verweigert.

Die „hauspost“, vom ID unterstützt, entwickelte sich weiter. Eine wichtige Auseinandersetzung war die über Zusatz-Beschäftigungen von Arbeitslosen bei freien, insbesondere gemeinnützigen, Institutionen - was wegen der sogenannten “Ein-Euro-Jobs“ (Arbeitslosengeld II-EmpfängerInnen) breit und kontrovers diskutiert wurde. Gegenmodell war das bedingungslose Grundeinkommen. Dazu erschien ein ID-Beitrag „Existenzgeld in Selbstverwaltung“ in der „hauspost“.

Die ID-Beiträge im Arbeitskreis „Geschichte sozialer Bewegungen von unten / Ost und West“ –etwa zur realen UtOPELie der Gewerkschaftsopposition im Opel-Werk Bochum- wurden redaktionell aufbereitet, um eine kompakte Buch- und Internet-Veröffentlichung vorzubereiten. Das Buch „1968 und die Arbeiter“, mitherausgegeben von Bernd Gehrke aus dem Arbeitskreis, wurde besprochen (tageszeitung, Neues Deutschland, Frankfurter Rundschau).

Mediendemokratie

Die ID-MitarbeiterInnen Richard Herding, Sabine Kleczewski und Jan Oppermann publizierten in der Zeitschrift „Publizistik“ einen Beitrag über das Jubiläums-Werk zum zehnjährigen Bestehen der „Initiative Nachrichtenaufklärung“ Dortmund. Auch in diesem Jahr veranstaltete er eine interessante Diskussion über die Negativ-Auszeichnung der „Top Ten“ unterbliebensten Nachrichten 2005 aus Sicht der „Nachrichtenaufklärung“. Über „Alltagsgemeinheiten gegen Asylbewerber“ gehe die Medien-Öffentlichkeit achselzuckend hinweg, aber auch z.B. das Thema „Kleinkorruption“ machte viele nachdenklich. Aber auch in diesem Jahr wurde aus dem Publikum kein Gebrauch von dem Recht gemacht, in Dortmund einen Vorschlag einzubringen. Sind Medien immer noch ein Luxus-Problem?

Passend zur Fußball-Weltmeisterschaft brachte Sven Bremer seine „Kopf-und-Ball“-Lesung ein, die an eine frühere ID-Veranstaltung mit dem Fußballfan-Autor und Fußball-Kritiker Dieter Bott anknüpfte.

Tägliche Beratung
Die Beratung in „kleinen“ Alltagsproblemen von Bürgerinitiativen (NGO’s spielte auch 2007 in vielen Gesprächen bei und mit dem ID eine Rolle. Etwas mehr „System“ kam durch einen praktisch-nützlichen Workshop hinein: „Einführung in die höchst banale aber ebenso unentbehrliche und oft jammervoll chaotische Welt der Adressdateien für NGOs“. Es gab aber auch weiterhin Einzelberatungen zu Problemen mit Demonstrationen, Vereinen, Initiativen, Kontroversen. Vor allem bezüglich der Medien hilft der ID Engagierten weiter. Bei all dem ist gemeinsames Essen und Trinken vielfach unentbehrlich, weil sich da erst eine informelle Gemeinsamkeit entwickelt, um den gemeinsamen Suchprozess, eben das „Brainstorming“, mit geeigneten Lösungen zu krönen.
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Wegen ihrer Überlastung als langjährige Abgeordnete und kulturpolitische Sprecherin der Berliner GRÜNEN musste Alice Ströver ihre Tätigkeit im Verein „Informationsdienst“ aufgeben. Eine neue geeignete Person, möglichst auch mit dem Kontakt zur Kultur- und Medienpolitik (und mit Strövers Hilfe), soll gesucht werden.

Ursula Bub-Hielscher / Richard Herding / Manfred Windecker (amtierender Vorstand)