INFORMATIONSDIENST: FÜR KRITISCHE MEDIENPRAXIS

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Der "Informationsdienst: für kritische Medienpraxis" (e.V., Berlin, gemeinnützig) ist ein JournalistInnenbüro, das sich für den Zugang benachteiligter Einzelner und Gruppen zur Medienöffentlichkeit engagiert.

Author

Richard Herding

 
Gegenöffentlichkeit ohne Isolation
 
"Informationsdienst: für kritische Medienpraxis" (e.V., Berlin, gemeinnützig) ist ein JournalistInnenbüro, das sich für den Zugang benachteiligter Einzelner und Gruppen zur Medienöffentlichkeit engagiert.
Vorgeschmack in den 1970er Jahren: "Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten", erstes wöchentliches Bulletin alternativer Bewegungen in deutscher Sprache (Frankfurt am Main 1973 bis 1981). Durch die medienpolitische Geschichte verbunden, bei voller Unabhängigkeit: "Informationsdienst: Zentrum für alternative Medien", Frankfurt a.M. (seit 1981); ID-Archiv im Internationalen Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam (seit 1988); Informationsdienst: Netzwerk Alternative Publizistik, Bingen am Rhein (seit 1984); ID-Verlag, Berlin (seit 1988); Informationsdienst: Netzwerk Alternative Publizistik, Bremen (1990 bis 1996). Diese freien Redaktions- bzw. Verlagsbüros haben/hatten jeweils zwischen zwei und zehn MitarbeiterInnen. Eine lebendige, undogmatische Öffentlichkeit zu fördern, heißt heute: - die unabhängigen "kleinen" Medien (von der Gorlebener HomePage im Internet über die Freien Lokalradios und die unkonventionellen TV-Fenster bis zu den Antifa-Blättern und Obdachlosenzeitungen) ermutigen und stärken, - gleichzeitig aber auch die Verbindung zur Berliner "tageszeitung" und zu den vielen JournalistInnen aufrechtzuerhalten, die in alternativen Medien eine aufmüpfige Version ihres Handwerks gelernt haben und jetzt "etablierte" Redaktionen bevölkern. Dabei fehlt es vor allem an Infrastruktur-Ansätzen dieser innovativen Öffentlichkeit - Einrichtungen, die sich die traditionelle Medienwelt seit langem aufgebaut hat. In der unkonventionellen Medienwelt werden Ausbildungsmöglichkeiten gebraucht; nötig sind auch Rechercheförderung, Medienkritik, Zensurbekämpfung, Medienzugang für Benachteiligte, Auseinandersetzung mit Kunst in den Medien, Vernetzung von Dokumentation und Archiven etc. All das selbstverständlich mit zentraler Bedeutung einer gestärkten Rolle von Frauen und AusländerInnen in den Redaktionen und Geschäftsführungen. Das Berliner ID-Büro, seit Mai 1999 in seinen Anfängen, hat sofort die Kosovo-Diskussion in Angriff genommen, um endlich zu einem Argumenten-Austausch statt bloßer Propaganda-Monologe zu kommen, so dass Menschenrechts- und Friedensgruppen aus der Desorientierung herausfinden. In der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz diskutierten Vertreter der serbischen und der kosovo-albanischen Seite, Kriegsgegner und -befürworterInnen miteinander. Auf dem Mainzer "Open-Ohr-Festival" wurde über die heutige Situation von Gegenöffentlichkeit diskutiert, auf den "Görlitzer Gesprächen" die Untergrundmedien in der Ex-DDR und in Westdeutschland nach 1968 dargestellt und ein entstehendes Jugend- und Kulturzentrum beraten. Ein Text über die Geschichte der Hausbesetzungen, auch im Vergleich der Städte Frankfurt, Hamburg und Berlin, soll im Frühjahr 2000 erscheinen. Am 11. November stellt sich der ID im Berliner "Club Voltaire" (20.30 Uhr, Danziger Str. 101 / Nähe Prenzlauer Allee) allen Interessierten vor. Richard Herding, der bereits bei den "unterbliebenen Nachrichten" mitgemacht hat, und Brigitte Heimannsberg (langjährige Redaktionsleiterin der multikulturellen STIMME in Bremen und unermüdliche Organisatorin der Berliner Kosovo-Debatte) haben sich angekündigt. In der Diskussion für die künftige ID-Arbeit sind "Mündliche Geschichte" von Kosovo-Flüchtlingen, im März 2000 auch eine Veranstaltung im Haus der Demokratie und Menschenrechte über Kultur- und Medienpräsenz aller ethnischen Gruppen des Kosovo in Berlin, sowie Seminare für Internet-Aktivitäten von Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen. Die Rolle von Film und Video als Medien der Erinnerung an den Holocaust soll im Hinblick auf die Kontroversen um die Spielberg-Stiftung und auf das geplante Mahnmal mit interessierten Film-Institutionen bearbeitet werden. All das ist aus Anregungen und Wünschen in der konkreten Situation entstanden; die systematische Arbeitsplanung des ID setzt sich immer aus Vorschlägen der MitarbeiterInnen und Anregungen von"außen" zusammen.
 
 
(Stand 2. Nov. 1999)
Autor: AutorInnenkollektiv ID Berlin Quelle: © ID Berlin
Update: Di., 07.07.2001