Rechtspopulismus und Rassismus bei den Anhängern von Baergida.

Der Mondtag gegen den Halbmond

von Sven Bremer

Was braucht der moderne Nazi für sein Glück? Er braucht einen gut besuchten Ort, anständiges germanisches Wetter, ein paar Fahnen aus der deutschen Historie und das Gefühl, ja kein Nazi zu sein. Man will schließlich nur aufklären, lediglich rundum informieren, eigentlich ja saufen.

Dabei nutzen diese selbsternannten Patrioten gern eine Demokratie, gegen die sie protestieren und nähren sich von unbegründeten Ängsten. Odin ist scheinbar kein Gott, der ihnen die Ängste nehmen kann. Aber auch unter ihnen befinden sich viele unterschiedliche Interessengruppen. Sie alle eint die Phobie gegen alles Nichtdeutsche, wobei sie auch nicht wirklich immer benennen können, was deutsch ist und was nicht. Oft teilt sich das nur in gut und böse, in schwarz oder weiß ein. Die Weißen, dass sind sie. Der Deutsche ist naturgegeben fleißig, pünktlich, schlau sowie ein Dichter und Denker. Falsch gedacht. Mit ihren grölenden Parolen wirken die Hooligans, Neonazis, Nationalisten, Reichsbürger, Biodeutschen und braunen Skinheads auch nicht gerade wie schöngeistige Dichter.

 

In Wirklichkeit haben die fleißigen Deutschen gleich zwei Weltkriege entfacht, Millionen von Menschen in Konzentrationslagern umgebracht und einige, die sich heute so ungern an diese Zeit erinnern, würden das gleiche am liebsten wieder mit anderen Kulturen, Religionen oder Hautfarben tun. Sie bereiten allzu gern einen Nährboden für die Saat des Schreckens. Bekämpft man seine Ängste denn so gut, indem Schrecken verbreitet wird?

In einer ständig zusammenrückenden Welt, in der sich die Kulturen längst durch viele verschiedene Technologien, wie zum Beispiel das Internet, gegenseitig befruchten können, kommt die Forderung nach etwas isoliertem Lokalen, der Ansicht, dass die Erde eine Scheibe sei, gleich oder der, wonach sich im Universum alles um Deutschland drehe.

Aber auch die Nazis sind nicht alle gleich. Es gibt noch andere Patrioten. Ältere Frauen und Männer aus dem Mittelstand, die der aktuellen Politik misstrauen, von der viel zu soften AfD oder CSU enttäuscht sind und die eine Schuld an den eigenen Problemen bei anderen suchen. Sie bieten keine Lösungen an, sondern schimpfen und meckern nur. Empfinden sich dabei aber als Personen, die ja besonders aufgeklärt sind und zu den wenigen gehören, welche sich nicht von der Lügenpresse und den Lügenpolitikern betrügen lassen. Manchen von ihnen gefällt es auch, eine Rolle in einer Pseudo-Revolution zu spielen oder Bestandteil einer Bewegung zu sein. Und auch einmal aus dem Stammtisch heraus zu kommen. Sie suchen untereinander im braunen Schmutz der Straße nach der persönlichen Bestätigung.

 

Dabei verstecken sie sich hinter einer wilden Mischung aus Fahnen. Letztendlich wirken ihre Aufmärsche wie ein Möchtegern-Gautag. Es wird die alte Preußenfahne herangezogen und auch eine zeitgemäße neuere. Wobei der alte Fritz nichts gegen Einwanderer hatte. Dann wird die Israel-Fahne gehisst, weil man sich dann vom Antisemitismus abheben kann. Allerdings ist eine Islamphobie nicht weniger rassistisch, als der Antisemitismus. Dazwischen sind seltsame Fahnen wie die des Deutschen Ordens oder einer solchen, auf der mit altdeutscher Frakturschrift „Odin“ steht. Das sind so die Götter der politisch besorgten Bürger, die sich nicht ernst genommen fühlen. Genauso gut könnte auf der Fahne "Prost" stehen. Desweiteren darf natürlich auch nicht die "Wirmer-Fahne" fehlen. Eine fiktive Fahne, die 1944 im Widerstand zum Nationalsozialismus entstanden ist, aber in heutigen Tagen von rechtspopulistischen Organisationen wie das Deutsche Kolleg, pro NRW und Pegida als Widerstandssymbol zur hiesigen Politik benutzt wird. Mit dem gleichen Zynismus, mit dem Nazis andere als Nazis bezeichnen. Denn im Nationalsozialistischen Widerstand befinden sich ihre Protagonisten meistens nicht.  Auch sind Fahnen aus Sachsen, Brandenburg und immer wieder die aktuelle Fahne der Bundesrepublik Deutschland zu sehen. Obwohl man doch gegen die Regierung der Bundesrepublik demonstrieren will und deren Presse ablehnt. Die schwarz-rot-goldene Flagge stammt noch von den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Insbesondere vom Lützower Freikorps. Später wurde die Fahne in der Revolution 1848/ 1849 aufgegriffen und nach dem zweiten Weltkrieg offiziell für die Bundesrepublik Deutschland eingesetzt. Diese „Patrioten“ tragen sie mit Stolz in der einen Hand und mit einer Bierflasche in der anderen. Wahlweise muss sie aber doch abgelegt, oder der Freundin in die Hand gedrückt werden, um mit dem Handy den Feind heranzoomen zu können. Mit einem Handy aus China oder Taiwan selbstverständlich.

 

Zu den Flaggen und dem geselligen Protestieren kommen noch die Träumereien über ihre Ideale und Meinungsverirrungen dazu. Da findet sich immer jemand, der dort als bejubelter Star eingeladen wird.

Das alles ist Pegida und auch Bärgida. Nicht alles im Land und auch nicht an der Regierung ist perfekt, schon gar nicht, wenn man da an das sture Aussitzen von NSA-Affären oder den Mord an Flüchtlingen im Mittelmeer denkt. Doch leider wird die konstruktive und seriöse Kritik daran von solchen fehlgeleiteten Stimmungen untergraben. Wutanfall-Bürger meckern, bis sie braun werden. Demokratie, Humanismus und sozialer Anspruch finden woanders statt.

Deshalb rufe ich jeden Bürger auf: „Lasst die Rechten links liegen!“

Ende.