Von Grillen, Ameisen, Räubern und Contentmafiosi

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Die Trompeter blasen, die Schwerter sind geschärft. Kampf liegt in der Luft. Was gibt es? Das Urheberrecht.

 

Auf der einen Seite die „Kids“, die für nichts bezahlen wollen. Den Musikern und anderen Kreativen „ins Gesicht pissen“ (so Sven Regener). Wieder mal der Untergang des Abendlandes.

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Björn M. Langneff

Die Trompeter blasen, die Schwerter sind geschärft. Kampf liegt in der Luft. Was gibt es? Das Urheberrecht.

Auf der einen Seite die „Kids“, die für nichts bezahlen wollen. Den Musikern und anderen Kreativen „ins Gesicht pissen“ (so Sven Regener). Wieder mal der Untergang des Abendlandes.

 

Auf der anderen Seite die Contentmafia, die 14jährige Mädchen und 80jährige Omas ins Gefängnis stecken will. Die die „wirklichen“ Künstler unterdrückt. Und überhaupt....

 

Doch Scherz beiseite. Worum geht es? Um Geld. Und es ist sicherlich kein Zufall dass genaue Zahlen selten bis gar nicht genannt werden. Von beiden Seiten nicht. Nicht was wirklich gebraucht wird. Nicht wer was verdient. Nicht wer was nicht verdient. Nicht was „geistiges Eigentum“ überhaupt ist oder - sein kann.

 

Ich lese und lese und langsam schwirrt mir der Kopf. Was für einen Lärm sie machen.

 

Das Interessante dabei: Die behauptete „Abschaffung des Urheberrechtes“ wird gar nicht gefordert. Nicht von einer ernstzunehmenden Anzahl von Menschen jedenfalls. Niemand will den Künstlern ihre „Villen im Tessin wegnehmen“ (Klaus Staeck) . Es soll die Beziehung der Rechteverwerter und der Urheber und die Bezahlung neu ausgehandelt werden. Das wiederum stört die Rechteverwerter. Das ist ihr gutes Recht. ABER...

 

 

Aber glaubt bloß nicht, das ihr damit „die Kunst“ schützt. (Was immer das ist.) Glaubt ja nicht das ihr die „Künstler“ schützt. (Auch wenn viele davon das anscheinend selber glauben.) Vom Urheberrecht über den Tod hinaus, das immer widersinnig ist, wollen wir gar nicht reden. (Obwohl auch das auf den Tisch gehört und auch schon zaghaft angesprochen wurde.)

 

Das Urheberrecht, wie es sich jetzt darstellt, ist eine Erfindung, mit der die KünstlerInnen, mit dem was sie herstellen, Geld verdienen. Das ist gut so! Wer da glaubt, ein Künstler müsse darben, ja müsse leiden, um Kunst machen zu können, ist in einem romantischen Irrtum verfangen. Wer glaubt, Kunst ist nicht „wertvoll“ genug, um überhaupt bezahlt zu werden, glaubt immer noch an die alte Fabel von der Grille und der Ameise. (Danke für das Bild, Sascha Lobo! http://www.spiegel.de/netzwelt/web/die-angst-vor-dem-volk-im-netz-a-825385.html) ("Hast du im Sommer können singen und pfeifen, so tu anjetzo im Winter tanzen und leide darneben gleichwohl Hunger; denn das Faulenzen bringt kein Brot ins Haus." Äsop in der Übersetzung von Abraham a Sancta Clara)

Gute Kunst muss auch immer bezahlbar sein. Gute Kunst sollte nicht dem Markt, dieser riesigen Krake, überlassen werden! Damit wir uns richtig verstehen: zum Markt gehören sicher auch Firmen wie „YouTube“ die schließlich riesige Einnahmen haben und sich zieren, wenn sie Abgaben dafür zahlen müssen.

 

Wir brauchen ein Urheberrecht, das es den Urhebern leichter macht, ihre Produkte den „richtigen“ Menschen zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen ein Urheberrecht, das es erlaubt, das Kunstwerk zu persiflieren, es in andere Zusammenhänge zu stellen, kurz gesagt: es zu einem „neuen“ Kunstwerk zu machen.

 

Wir brauchen keine Gesetze, die es Bloggern unmöglich machen, auf Kunstwerke zu verweisen, ohne furcht von windigen Rechtsanwälten verklagt zu werden! Und wir brauchen sicher kein Urheberrecht, das neue Geschäftsmodelle von vornherein ausschließt.

 

Es gibt sie, diese Modelle. Sie heißen z.B. Kulturflatrate (Geld wird auf die Internetnutzung, erhoben um es zu verteilen), Creative Commons u.ä. Nötig ist der Dialog. Der unaufgeregte, sachliche Dialog. In dem die Zahlen offen auf den Tisch kommen. In dem ausgerechnet wird was jeder braucht zum Überleben. In dessen Konsequenz Urheber Geld bekommen mit dem was sie tun.

 

In kurze Statements zusammengefasst:

 

  1. Wir brauchen ein Urheberrecht, das den Urheber schützt!

 

Immer noch zu viele Urheber (Musiker und vor allem Schriftsteller) werden mit Buyout- und Knebelverträgen um viel Geld gebracht. Das kann auch nicht damit erklärt werden dass die Verwerter (Musikverlage etc.) eine Vermittlung betreiben.

 

  1. Wir brauchen kein Urheberrecht, das windige Rechtsanwälte reich macht!

 

Illegales Runterladen ist Illegal. Dies darf aber nicht dazu führen, dass gezielt Menschen mit horrenden und nicht gerechtfertigten Summen abgemahnt werden. Da muss Rechtssicherheit und „Augenmaß“ herrschen.

 

  1. Kreativität die auf anderen Kreativen aufbaut muss geschützt werden!

 

Es muss ein Recht auf Parodie, Mash Up und kreatives Weiterspinnen geben!

 

  1. Es muss in Ruhe über neue Formen geredet werden!

 

Nur weil eine Sache neu ist, ist sie nicht automatisch gut, aber auch nicht automatisch schlecht. Keiner kann sagen ob neue Verwertungs- und Bezahlformen funktionieren, aber es muss wenigstens über sie nachgedacht werden. Die Blockadepolitik der großen Verwerter führt zu einer weiteren Verhärtung der Gegensätze.

 

  1. Die großen Verwertungsgesellschaften müssen reformiert werden!

 

Verwertungsgesellschaften sind nicht per se schlecht. Nur sind sie zu groß, zu langsam. Auch sie müssen sich mit neuen Rechtsformen anfreunden, sie überprüfen.

 

Begriffserklärungen:

 

Begriffsklärung: Creative Commons

 

Creative Commons stellt 6 verschiedene Standard-Lizenzverträge zu Verfügung, die es Urhebern eines Werkes erlaubt, die rechtlichen Bedingungen bei dessen Veröffentlichung nach individuellen Bedürfnissen zu festzulegen.

Damit wird Rechtsicherheit geschaffen, um einen kreativen Umgang mit Werken zu ermöglichen.

- Aus Urhebersicht wird dem Wunsch Rechnung getragen Rahmenbedingungen zu bestimmen nach denen das eigene Werk veröffentlicht werden darf. Wer sein Werk nach den Nutzungsvertägen der CC kostenlos bereitstellt, wünscht sich dessen kreative Nutzung, aus der Erkenntnis heraus, dass ein Urheber auch gleichzeitig Nutzer sein kann.

- Einem Nutzer schaffen die Verträge die Gewissheit, je nach deren Form, immer im Einvernehmen mit dem Urheber zu handeln.

Mashup

 
Mixen unterschiedlicher Musikstücke zu einem neuen Werk. Die Urheber der Ursprungswerke müssen Nutzungslizenz vergeben.

 

(Mit Dank an Heiko Engelage)