CHOTJEWITZ GESTORBEN. GRENZGÄNGER, KEIN ANGEBER

PETER O. CHOTJEWITZ IST AM 15. DEZEMBER 2010 GESTORBEN

ID-UNTERSTÜTZER SEIT DEN 1970ER JAHREN. ER WUSSTE, WAS EINE "GROßE REVOLTE" IST.

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Chotjewitz, Jahrgang 1934, schrieb "Die Herren des Morgengrauens" - über die Repressions-Apparate, die durch allerlei Abenteuer mit dem putzigen Titel "Putativ-Notwehr" (sprich: Staatsschützer GLAUBT, sich ECHT in Notwehr zu befinden, und erschießt dann eben halt schon mal jemand) Angst verbreiteten. Die linke Szene Westdeutschlands, vorwiegend in den 1960er bis 1980er Jahren, war durch die großen Streikwellen und anschließende Stadtguerilla-Gründung (alias Terrorismus) in Italien inspiriert. Die "Große Revolte", unter dem Schlagwort "Wir wollen alles", hat Chotjewicz mit-übersetzt.

Ursprünglich Rechtsanwalt, später Übersetzer und Schriftsteller, verteidigte er ausgerechnet Andreas Baader im großen Stuttgarter Prozess gegen die Rote Armee Fraktion. Später schrieb er "Mein Freund Klaus" über, ja "für" seinen damaligen Kollegen Klaus Croissant, der zum Staatssicherheitsdienst der Deutschen Demokratischen Republik übergelaufen war.

Von Anfang an war Chotjewitz dabei, als dem "Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" (Frankfurt am Main, wöchentlich 1973 bis 1981) ein schützender Beirat aus SchriftstellerInnen und HochschullehrerInnen zur Seite gestellt wurde. Auch den "Informationsdienst: für kritische Medienpraxis" (als freies journalistisches Büro seit 1999 im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte tätig) unterstützte Peter O. Chotjewitz.

Wir sind traurig über seinen Tod. Wir sehen in ihm den vorbildlichen Mut, an die Grenzen zu gehen. Grenzen der Berufsrollen, Grenzen der Kampfweisen, Grenzen der Zielbestimmungen. Kein "revolutionärer" Angeber.

Wie heißt es am Schluss von "Wir wollen alles":

"Es war schon fast Tag und die Sonne fing schon an aufzugehen. Wir waren todsterbensmüde und total am Ende. Momentan war es genug. Wir stiegen hinunter und gingen nach Hause."

Dank für alles, Peter O. Chotjewitz.

                                                                                                                                                                                  Richard Herding