Weltraum - Alltag

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ein bild sagt mehr als tausend worte, daher gibt es diesmal keinen vorschautext. 

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Author

Richard Herding

(Für „die tageszeitung“, Berlin, Stand 27.5.10)

 
NACHWUCHS FÜR DEN WELTRAUM GESUCHT

Wie ein Zweitklässler einen Meteoriten baute. Echt. Nur noch nicht in der Erdumlaufbahn.

 

KOMETEN: SIMULIERT. KOSMONAUTEN: LIVE.

Lukas Heyberg [Name und Details teilweise geändert] ist stolzer Besitzer einer Ehrenurkunde. Das Deutsche Luft-und Raumfahrt-Zentrum in Porz bei Köln, direkt am Flughafen der Bundesregierung (dazu kommt eine Bundeswehr-Kaserne und die European Space Agency, ESA) bescheinigt ihm die Teilnahme am School Lab, provinziell könnte es auch Schüler-Labor heißen, und dass er durchgenommen hat: Kometensimulation, Vakuum und Kreislauf-Physiologie, Schwerelosigkeit und Werkstoffe. „Mensch und Weltraum“ hieß die Einführung, zu der ein leibhaftiger Weltraumfahrer erschien. Den Großeltern, die mit dabei waren, stockte schier der Atem, Lukas nahm’s mit Vergnügen wie ein Überraschungs-Ei. Da war er, nicht im Fernsehen, sondern live und in Farbe:

 

Reinhold Ewald, der 1997 mit 28000 (achtundzwanzigtausend) Stundenkilometern die Raumstation SOFIA, das heißt: Stratosphärisches Observatorium für Infrarot-Astronomie, aufgesucht und dort als Physiker gearbeitet hatte. Strahlend stand der 53-jährige vor den Kindern und zeigte prachtvolle Fotos vom Raumschiff, von den Blicken auf die Erde, die mensch von da oben erhaschen kann: „Alle Kontinente mit Abendlicht“ bis „Sibirien im Sonnenschein“. Vor allem redete er reichlich herabsetzend über das Essen dort oben: nein nein, wegen der Weltraum-Nahrung würde er niemand empfehlen, dort hoch zu fahren. Weizenscheiben mit Rosinen und Honig, mmhmm, und scharfe Gewürze –solcherlei sei das einzige, was hilft, sonst: alles wässrig! Russisch müsse man auch können, schließlich fährt man mit Sojus-Rakete. Und auf dem Kopf stehen: schwerelos eben, ihr versteht. Gesundbleiben empfiehlt sich sehr – ein Ärzte-Team ist schon da, aber eine Kleinigkeit entfernt: nämlich am Boden, sodass du’s in einem Jahr aufsuchen kannst (hoffentlich ist’s dann nicht ein bisschen spät – immerhin gibt es eine kleine Apotheke an Bord!

 

Ja und wie ist’s mit dem Landen, zum Beispiel auf dem Mond? Aprilscherz, sagt der echte Astronaut, Mondlandung wurde erstmal abgesagt, vielleicht irgendwann später mal. Wie wär’s erst mal, vielleicht, mit einer Kometen-Simulation, und mitkriegen, wie sich die Welt –pardon, der Raum- mit minus 273 Grad Celsius anfühlt.

 

 

Der junge Kerl –Berufswunsch: na was wohl? seit dem 5. Lebensjahr: Kosmonaut!!!, Weltraumpilot!!!- wurde zwischendurch vom Werkschutz gesucht, irgendwelche Ausweis-Formalitäten waren noch zu erfüllen, und eine Hochsicherheitszone ist das DLR allemal, wenn auch nicht so scharf wie das Europa-Raumfahrtszentrum nebenan, die sind strenger – aber einen rostigen Stacheldrahtzaun gibt’s dazwischen nicht.

 HOCHSICHERHEITSZONE VOM RHEINLAND ZUM MARS

Für die Sicherheitskräfte zeigt der Nachwuchs nicht das mindeste Interesse, wohl aber streitet er sich mit dem echten Weltraumfahrer, der versucht, mit „träger Masse“, Fliehkraft und Anziehungskraft wie am Kettenkarussell, zu erklären, dass Schwerelosigkeit nicht ständig engelgleiches Schweben ist: „Wenn man nicht schwimmen kann, kann man auch nicht untergehen“, sagt der weise Kleine, „Oh doch!“, der Kosmonaut.

 

Will Lukas mit dem Kosmonauten aufs Foto? Nein, da hat er offenbar seinen Stolz, vielleicht hat das Zeit – bis zu seiner eigenen Rakete. Und davor geht es mit großem Eifer zu den „Mühen der Ebene“: Materialien werden durchgeprüft, welches Metall eignet sich für die Raumfahrt, oder ist Keramik fester und flexibler zugleich, oder Kunststoff? Lukas beißt sich

 
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„Klar will ich Weltraumfahrer werden. Wenn man nicht schwimmen kann, kann man auch nicht untergehen.“ „Oh doch.“

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durch, gießt schließlich, Handschuhe und Brille müssen her, mit einem Riesen-Schöpflöffel ein schwarzes eiskaltes Material, was die beste Leitfähigkeit verspricht, und ist zufrieden.

 

Die Planeten-Kunde ist das nächste. Sonne, Jupiter, Pluto werden gezeigt und erklärt, na ja der kleine Mond so nebenbei, und dass Planeten gar nicht selber leuchten, nur die Sonnen. Auf geht’s zur „Neutral Buoyancy Facility“, also dem Schwerelosigkeits-Park beim benachbarten European Astronaut Centre, EAC. Hier ist viel mehr in „echter Größe“ zu sehen, das andere war halt „nur“ das DLR_School-Lab, aber kaum etwas anzufassen. Prompt wundert sich Lukas: Ich dachte, es wären viel mehr Kinder da. Das dachten –oder erhofften sich- die Weltraum-Planungs-Leute wahrscheinlich auch, neuerdings übrigens sind die Nachwuchs-Wünsche- und -Sorgen stark auf die Lucias dieser Welt, mehr als die Lukas-Boys, konzentriert…

 

WELTRAUM-ENTDECKUNGEN: SENSATION! -  WELTRAUM-ALLTAG: UNBEKANNT?

 

Nicht nur dass die Weltraum-Pläne finanziell staatlicherseits eher gekürzt werden und die Hoffnungen auf Privatisierung gesetzt werden, auch wenn die Gefahren da wohl ins Unermessliche steigen. Nein, zudem gehört die Raumfahrt, so paradox das klingt, heute zu den „unterbliebenen Nachrichten“ – von einzelnen Sensationen, oft mit jahrelangem Abstand, wofür die Mondlandungen das bekannteste Beispiel sind, einmal abgesehen- erfahren wir extrem selten in den Medien etwas über astronomische Kosten, realistischen Nutzen, Umweltzerstörung durch gigantische Müllansammlungen, und so fort. Nicht die besten Voraussetzungen, um junge Leute für eine solch fordernde Ausbildung zu begeistern.

 

Ungestört von den Problemen, erschöpft aber glücklich, ist Lukas durch seinen Weltraum-Vormittag durch. „Wir müssen unbedingt ´ne Klassenfahrt hierher machen“. Okay, aber: will er weiterhin Weltraumfahrer werden ? „Ja klar – viel mehr als vorher. Weil ich so viele tolle Weltraumsachen gesehen hab’, super.“ Der Kosmonaut kann auch Eigensinn: „Aber ich will nicht im Raumanzug hoch. Ich bleibe sowieso in der Rakete. Dort geht’s ohne Extra-Raumanzug. Aber – jetzt kommen die wichtigen Dinge des täglichen Weltraum-Lebens: kann man da ohne Mikrophon miteinander sprechen? Wahrscheinlich nicht, aber bestimmt kann man das Mikro am Raumanzug festmachen. Außerdem sind da oft Meteoriteneinschläge. Ach und außerdem: ich hab’schon mal mit ‚’nem starken Fernrohr auf den Mond geguckt. Ich hab’ gesehen, dass die Gesichter nur Berge sind, und ich hab’ Sturm gesehen.“

 

Ganz schön erwachsene Sprüche mit sieben Jahren, fast schüchtern dazu die Frage aus dem Großvater-Alter: Hast du auch gehört, dass alle diese alten Raumschiffe und Raketen einen Riesenmüll im Weltraum machen, du kannst sie da ja nicht begraben wie alte Autos auf ’nem Schrottplatz - unheimlich gefährlich ist das doch alles. Sollen wir nicht lieber draußen bleiben aus dem Weltraum? Dreimal dürft ihr raten, was von Lukas kam: Wenn wir nicht da hoch fahren, können wir auch den ollen Schrott nicht runterholen, ist doch klar, oder.

Die Großmutter, die selbst dann nicht in den Weltraum fahren würde, wenn Tchibo die Reise im Programm hätte –eine gewisse Scheu und Ehrerbietung ist wohl ihr Motiv, vielleicht in der Nachfolge eines religiösen Respekts- sagte darauf:
 
nichts. NICHTS. Das versteht der Weltraum, das ist seine Sprache. 
 
(Jetzt die Foto vom Spaziergang mit staunenden Blicken, vom Selbermachen und Raketenanblick, vom Kosmonauten-Bestaunen und Flug simulieren...

…und einer dieser sagenumwobenen Blicke aus dem Weltraum auf unsere „EINE WELT“:)

 
 

Der Radarsatellit TerraSAR-X des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat mit einem Abstand von vier Monaten Mexico City aus dem Weltall aufgezeichnet. Die Aufnahme zeigt: Allein innerhalb dieser Zeit senkte sich der Boden stellenweise um zehn Zentimeter. Dunkelrot eingefärbt sind die Bereiche der mexikanischen Hauptstadt, in denen TerraSAR-X die größten Veränderungen der Bodenhöhe verzeichnete. Die grünen Einfärbungen zeigen Gebiete, in denen bei der Überlagerung der beiden Radar-Aufnahmen vom 20. September 2009 und dem 30. Januar 2010 keine Veränderung festgestellt wurde. Grund für die Bodenabsenkungen ist unter anderem die Grundwasserentnahme.

Zur Erzeugung des vorliegenden Bildes wurde das Radarinstrument von TerraSAR-X in einem speziellen "Weitwinkelmodus", dem "ScanSAR-Modus", betrieben, in dem man einen Geländestreifen von 100 Kilometern Breite am Stück abbilden kann. Da das Radar normalerweise nur in der Lage ist, einen wesentlich kleineren Teilbereich von etwa 30 Kilometern "auszuleuchten", muss ein besonderer Trick angewendet werden, um die größere Streifenbreite zu erlangen. Hierzu wird der Radarstrahl wiederholt vom Nah- zum Fernbereich geschwenkt. Schließlich ergibt sich in Summe ein "Fleckenteppich" aus beleuchteten Einzelszenen. Der Preis der größeren Szene ist eine von drei Meter auf 16 Meter reduzierte Auflösung, die aber für viele Anwendungen keine Einschränkung darstellt. Möglich ist dieser Aufnahmemodus durch die elektronisch gesteuerte Phased Array Antenne, die das schnelle und trägheitslose Schwenken des Radarstrahls ermöglicht.

Das Bild von Mexico City wurde mit einer verfeinerten Schwenkmethode erzeugt, die als TOPS-Mode (Terrain Observation by Progressive Scans) bekannt ist und Schwächen des klassischen ScanSAR, einer ungleichmäßigen Ausleuchtung der einzelnen Teilflächen, vermeidet. Das Resultat ist ein Bild ohne Helligkeitsschwankungen.

 
Quelle: DLR.

Frage-und Antwort mit der Programmdirektorin "Erforschung des Weltraums" und "Forschung unter Weltraumbedingungen", Martina Wilde:

- Hat die Weltraumfahrt in Deutschland genug qualifizierten Nachwuchs, sodass sie sich kaum vor dem Andrang retten kann - oder muss da gesucht und gefördert werden?

Wir können nicht davon sprechen, dass wir uns kaum vor dem Andrang retten können, aber das Interesse an Raumfahrt bei den Naturwissenschaftlern und Ingenieuren ist grundsätzlich sehr hoch. Da es eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten in der Raumfahrt – von der Technologie über die Lebenswissenschaften, Geowissenschaft, Planetenwissenschaften, Materialwissenschaften – gibt, herrscht ein sehr breites Interesse von Absolventen aus einer Reihe von Studienrichtungen. Das DLR gilt als einer der beliebtesten Arbeitgeber bei Hochschul-Absolventen.

- Wird versucht, den Frauenanteil zu erhöhen, oder ist das nicht nötig?

Der Frauenanteil insgesamt steigt in den letzten Jahren – entsprechend der angewachsenen Frauenanteile in den Natur- und Ingenieurswissenschaften – auch beim DLR an. Dies ist sehr gewünscht und wird vom DLR auch durch begleitende Massnahmen zur Verbindung von Beruf und Familie sehr unterstützt

- Ist die Weltraumfahrt überwiegend nur zu Sensationsberichten, traditionell vom Typus "Erster Mensch auf dem Mond", ein Thema in den Medien, im Alltag aber höchst mager besetzt, oder können wir mit der Medienpräsenz zufrieden sein?

Das DLR kann mit seiner Medienpräsenz im Prinzip sehr zufrieden sein. Innerhalb der Dachorganisation „Helmholtz Gemeinschaft“ kann das DLR, insbesondere in der Raumfahrt und hier an erster Stelle mit der Erforschung des Sonnensystems auf die höchste Anzahl von Pressemitteilungen und Pressereaktionen stolz sein. Es geht hier nicht um Sensationsberichte, aber um faszinierende Erkenntnisse, die von den Medien breit gestreut gerne aufgegriffen werden

Die Standorte Köln, Bonn, Braunschweig, Göttingen, Berlin (Adlershof), Bremen, Hamburg, Stuttgart, Lampoldshausen [bei Heilbronn, Baden-Württemberg], Oberpfaffenhofen [Bayern, zwischen München und Ammersee] bieten für junge Leute interessante Forschungsmöglichkeiten auf den Gebieten der Raumfahrt, sei es nun in einem ausgewiesenen Raumfahrt-Institut wie dem Institut für Planetenforschung in Berlin oder in einem Luftfahrt-Institut, in dem Abteilungen arbeiten, die das Know How der Luftfahrt für die Raumfahrt nutzen.

Martina Wilde
Programmthemenleitung "Erforschung des Weltraums" und "Forschung unter  Weltraumbedingungen",

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, Köln-Porz
 

Hier die Kontakte: DLR_School_Lab Köln, Linder Höhe, 51147 Köln, 02203/601-3093, Fax -13093, E-Mail: richard.braeucker@dlr.de, oder Durchwahl -3590, Fax -13590, jan.bechert@dlr.de. Internet: www.dlr.de bzw. www.schoollab.dlr.de. Übrigens:Interessant für junge Leute sind auch die DLR-Standorte Berlin-Adlershof und Oberpfaffenhofen (2 flotte FAHRRADstunden von München).

 

 

 

http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/newsarchiv2010_3/mexico_city_hires.jpg